Wörterbuch – Blitzentod und Fulmenicide

Hätte Jack the Ripper in New York und nicht in London sein Unwesen getrieben, wer weiß, ob er nicht ein ähnliches Schicksal erlitten hätte wie William Kemmler – vorausgesetzt man hätte ihn erwischt natürlich. William Kimmler wurde 1890 für den Axtmord an seiner Frau als erster Mensch auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Ein technischer ‚Fortschritt‘  im Namen der ‚Humanität‘, der noch einen Namen brauchte. So baten die Herausgeber der Zeitung „American Notes and Queries“ im Jahr vor der ersten „electrocution“ ihre Leser am 11. Mai 1889, Vorschläge für ein Wort einzureichen, das „Hinrichtung durch Elektrizität“ ausdrücken sollte.  Die eingesandten Wortschöpfungen gibt es im „The Collins Almanac, No. 3, Science Stooping to Fanaticism“ nachzulesen (Mc Sweeney’s iPhone App), hier die schönsten und skurrilsten Beispiele:

Electroctony or Electroctasy. I suppose an electrocide would be one who killed himself by means of electricity. – W.A. Bardwell, Librarian, Brooklyn Library“ – Hört sich an, als hätte jemand zuviel Ecstasy genommen, während „Electroed“ sich anhört, als hätte man zuviel Electro gehört.

Electrophon would be a good Greek formation, but has the disadvantage that it suggests ‚phone‚, which is something very different. – W.D. Whitney, Yale College“. Griechisch konnten auch die Herausgeber von Popular Science Monthly, die „Thanaelectrize or Thanatelectrize“ vorschlugen, bzw. D.W. Nead von The Harrisburg Call, der auf Thanatelecrisis kam.
So richtig gut klingt das allerdings nicht – was einigen Einreichern durchaus wichtig war.
„Why not Fulmen, ‚a thunderbolt‘, as a name for the apparaturus? Fulmen is short and not unmusical; it means well and will, if properly applied, do well“ meinte Henry Guy Carleton von der New York World. „Electromort will, I suppose, occur to any number of your correspondents. But it is ungainly and unsatisfactory. – W.J.P., Camden N.J.“ – diese französisch angehauchte Variante fand nicht so viele Anhänger, ganz im Gegensatz zur „teutonischen“ Version:

Blitztod (Blitz lightning, Tod death), which has the advantage of being both expressive and Teutonic“ – meinte W.H. Carruth, Professor of German, Kansas State University; eine Abwandlung davon, „Blitzentod„, wurde auch von Louisa Trumbell Cogswell vorgeschlagen, ihre Begründung:; „This Teutonic „lightning death“ is at least easier to say than the cumbrous Greek an Latin derivations“, wobei ihre lateinisch und griechisch inspirierten Konstruktionen auch extrem kompliziert klingen: „Keraunocktiny, Electrosthany, Fulmenicide„.

Electrocution war übrigens auch genau einmal unter den Vorschlägen, eingereicht von R. aus Lancaster, PA.

Komplett nachlesen kann man das Ganze unter „Blitzentodded by the Fulmen“ im „The Collins Almanac, No. 3, Science Stooping to Fanaticism“ exklusiv in der Mc Sweeney’s iPhone App.

Dass es ein elektrischer Stuhl und kein Bett, Schrank oder sonst was wurde, liegt übrigens daran, dass der Ideengeber ein Zahnarzt war, gebaut wurde die Maschine von Thomas Alva Edison und seinem Mitarbeiter Harold P. Brown. (Quelle).

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