Taubheit

Im 19. Jahrhundert gehörlos zu sein war eine wesentlich größere Einschränkung als heutzutage. Vor allem, da zwischen den Gelehrten ein seit dem Mailänder Kongress 1880 ausufernder Streit ausgebrochen war, der zu Gunsten der lautsprachlichen Schulung entschieden wurde. Diese Methode fußte auf dem Training des Lippenlesens und der Artikulation. Die Möglichkeit zur Gebärdensprache wurde dabei rigoros (unter anderem durch das Festbinden der Hände) unterdrückt. Völlig konform gehen sämtliche Interpretationen darin, dass sich Johan von Riepenbreuchs Gedicht mit beinahe unverhohlener metaphorischer Kritik eben jenen welchen Streitparteien widmet, die mehr mit der Durchsetzung ihrer Lehren als dem Wohl der Gehörlosen beschäftigt waren.

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