Johan von Riepenbreuch, Chronist

Riepenbreuch, jüngster Sohn einer verarmten Adelsfamilie wurde erstmals in den Kirchenbüchern des kleinen Ortes Stillvelde erwähnt, als er im ausgehenden 19. Jahrhundert mit gerade mal 20 Jahren Marie Os, die Tochter eines gutsituierten Kaufmannes ehelichen sollte. Unbelegte Gerüchte sprechen von einer „Notverheiratung“. Nicht nur des Geldes wegen, sondern ebenfalls auf Grund eines nicht standesgemäßen Liebeständel. Offenbar hatte sich der alles andere als oberflächliche, dunkle junge Mann in die Mätresse eines höherstehenden Offiziers (Alexander von Karnbaum) verliebt – und war erhört worden.

Johans Zeit in Berlin

Zur Vermählung mit der rund 15 Jahre älteren Marie Os kam es nicht, da sich Johan, kurz nachdem seine Geliebte Lydia von Stein verschwand, zunächst nach Berlin absetzte. Wie lange er in Berlin blieb und ob er sich dort tatsächlich an der Pépinière, der militärischen Akademie für Anatomie, einschrieb, ist unklar. Um 1891 scheint sich von Riepenbreuch in unbekannter Funktion der kaiserlichen deutschen Entourage angeschlossen zu haben. Jedenfalls wird sein Name bei einem Staatsbesuch in England erwähnt. Noch heute findet sich im British Museum in London ein Brief der Königin Victoria an ihre Schwester, in dem sie von einem „strange and scary German“ spricht, der sein Können bei einem ihrer Bankette zum Besten gegeben habe und mit seinen düsteren Versen selbst den wagemutigsten ihrer Enkel erschreckt habe.

Johan von Riepenbreuch in England

Leider kann nur vermutet werden, welchen Beruf Johan von Riepenbreuch in Berlin ausübte – medizinischer Zeichner, Chirurg oder Totenfotograf. In England fand er Zugang zum Mesmerismus und Totenbeschwörungen und kehrte (wahrscheinlich) nie wieder in seine Heimat zurück. Dass Johan von Riepenbreuch mit den Vorgängen um Jack The Ripper in Verbindung gebracht wurde, ja gar als einziger die wahre Identität des Schlächters von Whitechappel gekannt haben soll, scheint jedoch eine zeitgenössische Verleumdung zu sein. Zu spät dürfte er nach England gelangt sein. Die Beweislage der dazu noch zu studierenden Dokumente reicht für eine solche Behauptung nicht aus.

Werk des Dichters von Riepenbreuch

Fakt ist allerdings, dass Riepenbreuchs Lyrik in seiner Zeit als „unheimlich und unlesbar“ abgestempelt wurde. Vermutlich, da sie zunächst teilweise in seiner Muttersprache, teilweise in einem recht eigenwilligen Englisch verfasst war, dem aus heutiger Sicht eine überraschend gute Kenntnis seiner Vorläufer E.A. Poe, Mary Shelly und Lord Byron nachzuweisen ist. Zu Lebzeiten wurde ihm die gebührende Anerkennung verwehrt: Ein feinfühliger und bisweilen schwarzhumoriger Lyriker von Format zu sein, der sich nie scheute, den Finger auf die dunklen Punkte der ihn umgebenden Realität zu legen. Aufsehen erregten allerdings seine Glossen, in denen er sich in bester „Punch“-Manier über die Sitten und das Gebaren der viktorianischen Bürger ausließ. Über diese Veröffentlichungen formierte sich eine kleine Fangemeinde um Johan. Sie feiert traditionell am 13. März seinen Geburtstag, obwohl keinerlei historische Belege für das Datum  gefunden werden konnten.

Adeles Salon und Johan von Riepenbreuch

Mithilfe von Adele und ihrem Salon konnten im Verlauf des letzten Jahres viele Details aus Johans Leben geklärt werden. So hatte er sich tatsächlich unter falschem Namen (Johan Breuch) an der Pépinière eingeschrieben, verließ sie aber Hals über Kopf, nachdem beim Duell sein Widersacher um Lydias Gunst, Alexander von Karnbaum, starb. Sein Lehrer Rudolf Virchow bestärkte ihn in der Post-Mortem-Fotografie und half ihm, nach England überzusetzen. Dort kam er erst bei einem Cousin unter, bevor sich seine Spur in Whitechapel verliert. Noch, denn Adeles Salon ist weiterhin auf Entdeckungskurs!

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2 Kommentare zu Johan von Riepenbreuch, Chronist

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