Jeremy Bastian, Cursed Pirate Girl

Dass auf „Cursed Pirate Girl“ ein Fluch lastet, steckt bereits in ihrem Namen. Nachdem sie den Schweins-köpfigen Kildanny in einem Duell getötet hat, wurde sie von seiner Mutter, der Meerhexe, mit einem Fluch belegt. Dieser äußert sich in einem schwarzen, magischen Papagei, der Cursed Pirate Girl ständig verfolgt. Doch ihr Unglück beginnt erst als sie der Gouverneurstochter Appollonia begegnet. Appollonias Vater will Cursed Pirate Girl lieber töten lassen, als zu erlauben, dass sie ein Vorbild für seine Tochter sein könnte.

Cursed Pirate Girl - Cover (c) Jeremy Bastian

Cursed Pirate Girl - Cover (c) Jeremy Bastian

Mit dem Mordversuch an der Piratin startet ihr eigentliches Abenteuer: Verstoßen macht sie sich nun auf die Suche nach ihrem Vater, einem der gefürchteten Kapitäne der Omerta-See, dem sie bisher nur in ihren Träumen begegnet war.

Die Bilder, die Autor und Zeichner Jeremy Bastian, verwendet, sind in ihrer Opulenz kaum zu beschreiben (die Scans auf dieser Seite hier sind ein schlechter Vergleich!): Bastians haarfeine Linie, der überbordende Detailreichtum, der immer wieder in komplexe Arrangements ausufert und die grotesken proportonierten Figuren zitieren nicht nur die Kupferstichkarikaturen des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie erwecken genau diese zum Leben!

Obwohl der erste Band von „Cursed Pirate Girl“ nur drei Heft-Ausgaben umfasst und die Geschichte darin gerade einmal beginnt, so verbringt man viel Zeit mit dem schmalen Band. Denn jede einzelne Seite fordert den Leser zu einer visuellen Entdeckungsreise auf. Das führt manchmal dazu, dass die Seiten tatsächlich Herausforderungen sind, aber eine, der man sich gerne stellt, weil es soviel zu entdecken gibt.

Cursed Pirate Girl - Interior art (c) Jeremy Bastian

Cursed Pirate Girl - Interior art (c) Jeremy Bastian

„Cursed Pirate Girl“ kann inhaltlich kaum verbergen, dass es eine Variante von „Alice in Wunderland“ ist. Allerdings eben eine mit einem gewissen sarkastischen, grotesken Witz, den sich Jeremy Bastian vielleicht bei Edward Gorey abgeguckt haben mag oder aber direkt bei den historischen Quellen, denn auch eine ordentlich Portion „Gullivers Reisen“ steckt mit im Buch. Das immer noch modische Piraten-Thema passt hierbei stilistisch bestens mit ins Bild.

Denn obwohl die Vorbilder so deutlich sind und auch der Zeichenstil seine Herkunft nicht verbergen kann, ist es die Mischung in „Cursed Pirate Girl“, die das Comic zu einem ganz besonderen Erlebnis macht. Es ist zur Zeit schwer etwas zu finden, was ansatzweise diesem Comic ähneln würde, in dem in jeder Seite mehr Arbeit und Kenntnisreichtum über die Kunsthistorie stecken als in vielen derzeit so gerne gehypten Graphic Novels. Auch viele Größen der Comic-Welt (Mike Mignola und Charles Vess, um nur zwei zu nennen) sparen deswegen nicht mit Lob für Jeremy Bastians Comic.
Und man darf mehr als gespannt sein, wo die Reise von „Cursed Pirate Girl“ noch hingehen wird.

Jeremy Bastian
„Cursed Pirate Girl“
Olympian Publishing
ISBN: 978-1-4507-4370-9

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