Manuele Fiore, Fünftausend Kilometer in der Sekunde

Eine Junge und ein Mädchen lieben sich. Sie trennen sich. Als sie sich viele Jahre später wiedersehen, fragen sie sich, ob sie vielleicht nicht die falschen Entscheidungen im Leben getroffen haben.
Die Geschichte ist bekannt. Ihre Protagonisten sind diesmal Lucia und Piero. Sie lernen sich kennen als Lucia mit ihrer Mutter in eine Wohnung gegenüber einzieht. Natürlich ist Lucia sofort das Zentrum des Interesses für die beiden Jungs Piero und Nicola. Obwohl von Natur aus eher schüchtern im Gegensatz zu dem draufgängerischen Nicola ist es Piero, der mit Lucia zusammen kommt.

Doch als Lucia für ihr Studium nach Norwegen geht, beendet sie auch die Beziehung zu Piero. Dieser reist inzwischen als Ärchäologe nach Ägypten. Beide landen schließlich in wenig erfolgsversprechenden Ehen: Lucia mit einem langweiligen Norweger, Piero mit einer hysterischen Italienerin. Vergessen tun sie sich all nie und als sie sich schließlich nach über 10 Jahren wiedersehen, stellen sie zu ihrem Bedauern fest, dass sie immer noch Gefühle für einander besitzen.

Manuele Fiores Fumetto „Fünftausend Kilometer in der Sekunde“ (das ist die Geschwindigkeit mit der die Erde um die Sonne kreist) ist in schwelgerischem Aquarell gezeichnet. Die Bilder geben einem immer das Gefühl als ob sie lichtdurchflutet sind, selbst die Konturen der Figuren bleiben unscharf und verschwommen in den farblich stark von einander abgesetzten, stimmungsvollen Szenen.

Man hat das Gefühl, dass Fiore ganz genau weiß was er tut. „Fünftausend Kilometer in der Sekunde“ hat sicherlich nicht zuletzt deswegen unter anderem auch den prestigeträchtigen Preis als bestes Album beim Comicfestival im französischen Angoulême gewonnen (neben einige anderen Preisen). Inhaltlich orientiert er sich stark an den Motiven klassischer Literatur: James Salter, Mario Vargas Llosa fallen mir spontan ein…

Doch bei aller Opulenz der Farben, bei aller Stringenz der Handlung, bei aller Klassik und Romantik wünscht man sich doch, dass man irgendwo überrascht wird. Am Ende baut Fiore noch eine Wendung ein, doch selbst diese bleibt den literarischen Traditionen verhaftet.

Was bleibt also unter dem Strich, wenn Lucia und Piero sich endlich doch noch getroffen haben, was man ihnen (und sie sich selber) so sehr wünschen? Eine perfekt runde, polierte Marmorkugel von einem Fumetto.

 

Manuele Fiore
Fünftausend Kilometer in der Sekunde
Deutsch erschienen im Avant-Verlag
ISBN 978-3-939080-54-1

Kategorien Blog | tagged , , , , , | Bookmark permalink

Kommentare sind geschlossen.

  • Glossar
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Facebook
  • Kontakt
    Das wilde Dutzend Verlag
    Hagenauerstr. 2
    D-10435 Berlin
    fon: 030 28 88 31 99
  • Google+
  • Newsletter
    Monatliche News aus Berlin
    * indicates required
  • Adeles Salon
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Tagcloud