Ursula Vernon, Digger

Wem ist das noch nicht passiert? Da buddelt man nichtsahnend vor sich hin, verliert dabei die Orientierung und gerät flucks in eine Verschwörung mit toten Götter, weissagende Schnecken, Dämonenkindern und Vampirkürbisse. Okay, vielleicht ist das etwas viel, wenn man ein eher praktisch veranlagter Wombat ist.
Zumindest Digger, die Heldin des gleichnamigen Comics, hat mit der Geschichte in die sie hineingeraten ist ihre liebe Mühe. Eigentlich würde sie wesentlich lieber ein groß angelegtes Infrastrukturprojekt, wie etwa eine Dunghöhle für Riesenmaulwürfe anlegen, stattdessen muß sie sich von einer sprechenden Statue des Gottes Ganesh davon überzeugen lassen, dass sie – und nur sie! – die Ankunft des Bösen verhindern kann.

Es ist nicht schwer zu erahnen, dass „Digger“ ein Fantasy-Comic der kreativeren Art ist. Natürlich geht es auch um den epischen Kampf zwischen Gut und Böse, aber spätestens wenn mal wieder die weissagende Schnecke vorbeikommt oder das naive Dämonenkind Shadowchild den Unterschied zwischen Gut und Böse vermittelt bekommen will, nimmt man alles nicht mehr so genau.
Nicht zuletzt entsteht allerdings ein großer Teil des Humors vor allem auch durch seine Heldin wider Willen: Digger ist so sachlich-nüchtern, mit einem so trockenen Humor ausgestattet, dass man mitfühlen kann, wenn sie immer wieder nahe daran ist an ihrer Umgebung zu verzweifeln.

Doch nicht nur die Hauptfigur, sondern alle Figuren wurden bis in die Details liebevoll und mit viel Kreativität von „Digger“-Schöpferin Ursula Vernon gezeichnet. Während der starke schwarz-weißer Zeichenstil genauso zweckmäßig ist, wie es seiner Heldin sicherlich gefallen würde, so unterstützt er sehr effektiv die zwischen Tragik, Komik und Dramatik wechselnde Geschichte. Mit Virtuosität beherrscht Vernon es dabei immer wieder neue Akzente zu setzen, den Figuren Tiefe und Größe zu geben, auch wenn die Geschichte wieder lustig wird.

Vielfach wurde der Vergleich mit Jeff Smith‘ „Bone“ gemacht und auch wenn es immer wieder schwierig ist solche großen Namen zu erwähnen, ohne dabei das verglichene Werk darunter zu erschlagen, so kann man sicherlich Ursula Vernon unterstellen, dass sie „Bone“ sehr genau gelesen und davon gelernt hat. „Digger“ hält dem Vergleich mit dem Blockbuster der Fantasy-Comics allerdings stand und verfügt über ganz eigene Stärken: Es verliert beispielsweise niemals die Leichtigkeit des Tons, diskutiert ganz nebenher Fragen nach Moral und Spiritualität und verfügt über herrlich spinnerte Ideen (Vampirkürbisse! Lepra-Piraten!)

Obwohl „Digger“ als kostenloses Webcomic (hier zu finden) erschienen ist und bei Kritikern einige Aufmerksamkeit erhalten hat, hat es trotzdem nie die Leserschaft angezogen, die es eigentlich verdient hätte. Auch wenn Ursula Vernon inzwischen nicht nur als Schöpferin von Internetmemen bekannt ist (die „Pear of Salamanca“ ist ihre Schöpfung), so kann ich bis heute nicht verstehen, warum „Digger“ nicht mehr Erfolg gehabt hat.

 

Ursula Vernon
Digger
Die Printausgabe ist bei Sofawolf Press erschienen

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