Graphic Novel – Jeff Jensen und Jonathan Case: Green River Killer

1982 beginnt in der Umgebung von Seattle die „Karriere“ eines später berüchtigten Serienkillers: Des Green River Killers. Erst nach 19 Jahren und 48 Morden sollte er 2001 gefasst werden. Doch für die ermittelnden Beamten sollte eine der schwersten Phasen noch kommen. Über ein halbes Jahr mußten die Polizisten den Killer, den unscheinbaren Gary Ridgway, beherbergen, um an die notwendigen Aussagen zu kommen, die sie benötigten um seine Opfer zu finden und den betroffenen Familien etwas Gewissenheit geben zu können.

„Green River Killer“ erzählt die Ereignisse aus der Perspektive von Tom Jensen (Vater des Autoren Jeff Jensen), der über viele Jahre hin der einzige Polizist war, der immer an den Ermittlungen beteiligt war. Die Graphic Novel konzentriert sich dabei ganz auf seine Geschichte, die sie in mehreren, ineinander verschachtelten Zeitebenen erzählt. So geht es weniger um die eigentlichen Ermittlungen, sondern vielmehr um die psychologischen Konsequenzen der Ermittlungen für die Beamten, wie sie sich unter dem Druck entwickeln und verändern, sich mal stoisch durchbeissen, mal von der gedankenlosen Kaltblütigkeit des Killers schockiert sind. Entsprechend darf der Leser nicht mit Actionsequenzen rechnen, sondern wird Teilhaber von Tatortuntersuchungen und den Gesprächen der Polizisten untereinander.

Eine der größten Schwächen des Buches ist hierbei, dass Jeff Jensen seinen Vater wohl stärker verehrt als es der Geschichte gut tut: Zwar ist Tom Jensen kein Superbulle, aber moralisch so integer und pflichtbewußt, dass man sich unwillkürlich fragt, ob es solche Polizisten wirklich gibt, außer in der Erinnerung ihrer Söhne. Tom Jensen gegenüber steht Gary Ridgway, der geradezu mustergültig eine „Banalität des Bösen“ personifiziert, aber dessen Abgründigkeit wird in diesem extrem realistisch gehaltenen Comic nur in einer einzigen Szene thematisiert.

„Green River Killer“ geht mit den Blurps bekannter und berühmter Autoren geradezu hausieren. Auf dem Cover prangt ein entsprechendes Statement von Stephen King und mehr als die Hälfte des Buchrückens wird von Lobeshymnen eingenommen. Dabei wird immer wieder die realistische Darstellung gelobt, die sich nicht nur in der Erzählweise, sondern vor allem auch in den detaillierten schwarz-weißen Zeichnungen von Jonathan Case wiederfinden. Diese wirken beinahe wie Standbilder aus einem Film und geben der Graphic Novel eine merkwürdig statische, aber nicht unpassende Atmosphäre.

Jeff Jensen, Jonathan Case
Green River Killer
Dark Horse Books
ISBN 978-1-59582-560-5

Kategorien Blog | tagged , , , , , | Bookmark permalink

Kommentare sind geschlossen.

  • Glossar
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Facebook
  • Kontakt
    Das wilde Dutzend Verlag
    Hagenauerstr. 2
    D-10435 Berlin
    fon: 030 28 88 31 99
  • Google+
  • Newsletter
    Monatliche News aus Berlin
    * indicates required
  • Adeles Salon
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Tagcloud