Graphic Novel – Christophe Blain und Abel Lanzac: Quai d’Orsay

Arthur Vlamick hat eines Tages einen Termin beim französischen Außenminister Taillard de Vorms. Noch bevor er zu Wort kommen kann, hat ihm der Außenminister eine Stelle als Berater angeboten und ihm klar gemacht, dass er – nur er, Arthur Vlamick, diese Stelle ausfüllen kann. Seine Qualifikationen für den Job? Gut, dass zu begründen fällt Arthur gegenüber seiner Freundin schwer, zumal er eigentlich auch politisch ganz anderer Meinung ist als Taillard de Vorms und er von Arbeit in einem Ministerium keine Ahnung hat. Aber was soll’s? Wenn er dafür mit stolz geschwollener Brust erklären darf, dass die Welt sich am Rande des Dritte Weltkriegs befindet und nur er gemeinsam mit Taillard de Vorms dieses Problem lösen kann.

Schon am nächsten Tag folgt die Ernüchterung, als Arthur den diversen anderen Beratern des Ministers zum ersten Mal gegenübersteht und daraufhin folgt für ihn ein Spießrutenlauf aus Erniedrigung, Stress, Überarbeitungen bis zur letzten Minute und wortreichen Ansprachen des Ministers, dessen intellektuelle Höhepunkt mit einem gelben Textmarker verdeutlicht werden. Aber Arthur läßt sich davon nicht abschrecken: Immerhin darf er mit dem Minister um die Welt jetten, kann seiner Freundin gegenüber einen auf große Hose machen und im Einklang mit seinem Chef über “Recht, Einheit und Effizienz” schwadronieren. Auch wenn Arthur nicht genau weiß, was sein Chef damit eigentlich überhaupt meint…

Der “Quai d’Orsay” ist die Straße in dem sich das französische Außenministerium befindet und der Begriff ist in Frankreich synonym mit demselben. Entsprechend ist Taillard de Vorms eine deutlich erkennbare Maske für Dominique de Villepin, französischer Außenminister von 2002-2004, dessen intellektuelle Anwandlungen berühmt-berüchtigt waren und in “Quai d’Orsay” so gerne karikiert werden. Szenarist Abel Lanzac (ein Pseudonym) soll tatsächlich unter ihm gearbeitet haben und nicht nur deswegen kann man von einem “Schlüsselcomic” sprechen. Mit ausholenden, energischen Strichen von Christoph Blain (in Deutschland am besten für “Isaac der Pirat” bekannt) illustriert, die jederzeit die Hektik und Anspannung der Protagonisten wiedergeben, schwelgt das Comic in den Absurditäten eines politischen Alltags, dessen Arbeit sich auch schon mal auf Anordnung des Ministers nach Heraklit oder Ignazio von Loyola zu richten hat.

Manchmal fragt man sich warum Comics in Deutschland im Vergleich mit Frankreich so wenig Anerkennung genießen… Dann bekommt man ein Comic wie “Quai d’Orsay” in die Hand und weiß wieder warum.

Christophe Blain, Abel Lanzac
Quai d’Orsay
Editions Dargaud
ISBN 978-2205-06132-1
(Eine deutsche Ausgabe gibt es leider noch nicht.)

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