Graphic Novel – Adam Hines, Duncan the Wonder Dog

Mit fast einjähriger Verspätung landete „Duncan the Wonder Dog“, Comics Alliance’s bestes Comic von 2010, auf meinem Lesestapel. Aber der Reihe nach…

Die ersten vier Seiten erzählen von Daniel Muir, dem Sohn eines Uhrmachers, der das „Muir Railway System“ erfindet und dadurch zum Milliardär wurde. Er wird im Rest des Buches nicht mehr auftauchen… Dann beginnt ein Boxkämpf, Louis gegen Marciano. Der Bericht davon trägt den Leser über mehrere Seiten bis zu Tieren, die in einem Zoo gefangen sind und die Tiere, die sich über die „Metaphysik“ des Pythagoras unterhalten und das Dharma des Menschen.

Erst auf Seite 53 begegnen wir eine Figur, die auch später noch einmal auftauchen wird: Der Politiker Aaron Vollmann, der sich gerade beim Präsidenten unbeliebt macht, weil er mit aller Macht eine Gesetzesergänzung im Senat durchdrückt. Sein Gegenspieler ist der Affe Voltaire, Erbe von Daniel Muir, der Vollmanns macchiavellistisches Politikverständnis in Frage stellt. Denn in der Welt von der Zeichner und Autor Adam Hines erzählt, können Tiere nicht nur sprechen, sondern besitzen alle menschenähnliche Intelligenz, mit allen damit verbundenen moralisch-ethischen Konsequenzen.

Und darin bewegen sich Vollmann, Voltaire, der FBI-Agenten Jack Hammond und seiner Gegenspielerin Pompeii, deren Schicksal sich immer wieder überschneidet. Denn während Politiker wie Vollmann und Voltaire um gesetzliche Regelungen für den Umgang zwischen Menschen und Tieren streiten, hat Äffin Pompeii den Kampf inzwischen auf die Straße gebracht. Die Skrupellosigkeit ihrer Terrororganisation Orapost wird nur noch von ihrer eigenen Blutrünstigkeit übertroffen.

Im wahrsten Sinne des Wortes fragmentarisch entfaltet sich diese Geschichte: Figuren tauchen auf, verschwinden scheinbar ohne Einfluß auf die eigentliche wieder, ganze Seiten zeigen Landschaften, abstrakte Symbole und übereinander geschichtete Textfragmente. Damit ist es schwer die Komplexität der fast 400 Seiten von „Duncan the Wonder Dog“ (der übrigens erst auf den letzten Seiten auftaucht) kohärent zusammenzufassen. Die nur teilweise linear erzählte Haupthandlung wird immer wieder von anderen Geschichte unterbrochen, die das Verhältnis von Mensch und Tier in dieser Welt teils mit unglaublicher Brutalität, teils mit Liebe reflektieren.

Dies spiegelt sich auch in der Gestaltung wieder, denn es gibt wohl keine zwei Seiten, die gleich aufgebaut wären. Klassische Panels wechseln sich mit collagenhaften Seite ab, Symbole und Dekoration finden sich auf fast allen, und zu diesen gesellen sich die von Hines überall eingesetzten überzeichneten Fotos und seine sehr einfachen, cartoonhaften Figuren.

„Duncan the Wonder Dog“ stellt damit sehr große Anforderungen an seine Leser: Während manche Passagen erzählerisch dicht, teils spannend, teils sogar lustig sind, sind andere scheinbar vollkommen abstrakt und eben fragmentarisch und überlassen es dem Leser zu interpretieren, wie sie in den Gesamtzusammenhang passen. Inhalt und Gestaltung entsprechen sich hierin. Das wirkt vielfach fast schon abschreckend in seiner Hermetik, doch genau diese ist es, die das Buch auszeichnet: Wenn „Duncan the Wonder Dog“ vielleicht nicht das beste Comic des Jahre 2010 ist, dann ist es dennoch mit Sicherheit eines der interessantesten in seinem Anspruch.

Ohne etwas zu verraten darf ich übrigens verraten, dass es mit „To be continued“ endet. Man darf also weiterhin gespannt bleiben, wohin Adam Hines seine Leser noch führen wird.

Adam Hines
Duncan the Wonder Dog – Show One
AdHouse Books
ISBN 978-0-9770304-9-1

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