Graphic Novel – Jim Rugg & Brian Maruca, Afrodisiac

Legal Disclaimer: Der Autor ist ein großer Fan von Jim Ruggs und Brian Marucas vorheriger Arbeit „Street Angel“ und von dessen Seiten hat sich nun „Afrodisiac“ befreit. War Afrodisiac in „Street Angel“ nur ein kurzer Gastauftritt eines überdrehten 70er-Jahre-Superheldenkonzepts, so war doch schon auf den wenigen Seiten dort zu erkennen, welchen Spaß Jim Rugg und Brian Maruca mit dem Character hatten. Wie es so kommt, konnten sich die beiden nicht zurückhalten den Charakter auszubauen und mit „Afrodisiac“ liegt nun eine Sammlung von Kurzgeschichten um ihren namensgebenden Titelhelden vor.

Afrodisiac ist kein Superheld wie alle anderen. Nein, er ist der „Super-Pimp“. Die Frauen liegen ihm zu Füßen, von seinem mondänen Landsitz aus betreibt er sein Zuhälter-Imperium und bekämpft das Verbrechen! Oder das, was für ihn das Verbrechen so darstellt: Präsident Nixon, fundamentalistische Christen, Dinosaurier, Riesenkäfer, Gott, Tod und Teufel und natürlich auch Dracula, der es auf Afrodisiacs Mädchen abgesehen hat.

Da die Kurzgeschichten an sich bereits inhaltlich und gestalterisch keine Einheit bilden, haben das Künstlerteam das Prinzip auf die Spitze getrieben: Jede der Geschichten kommt in einem anderen Stil daher. Mal als 70er-Jahre-Comic mit verschobener Rasterfolien-Colorierung, mal als schwarz-weißes Underground-Comix oder auch mal im Pseudo-Zeitungstrip-Querformat. Dazwischen gibt es noch Cover-Art nicht existenter Afrodisiac-Romance-Comics, Werbung für die Zeichentrickserie, den obligatorischen Afrodisiac-Manga und natürlich „Afroduck“.

Okay, „Afrodisiac“ ist eines dieser schrecklich schönen Comics, die einem das Gefühl geben, man sei wieder 13 und würde bei Nacht mit einer Taschenlampe etwas lesen, was einem ausdrücklich verboten wurde. Allerdings wird man dann doch meistens erwischt, weil man zu laut lachen muß. Denn „Afrodisiac“ ist so ziemlich in jeder Hinsicht politisch inkorrekt: Es bedient sich so ziemlich jedes sexistischen und rassistischem Klischees, Gewalt und nackte Tatsachen gibt es auch eine Menge und nebenher werden auch eine Menge gesellschaftlicher Tabus verletzt und unserer kollektiven Kindheitserinnerungen pervertiert.

Dass das alles nicht vollkommen peinlich wird, liegt daran, daß der Spaß beim Lesen nicht zuletzt an die Quentin Tarantino-Methode erinnern: In Wahrheit sind die ganzen Peinlichkeiten, die Klischees, der Pastiche, der Kintopp, all das sind Referenz an die 70er und ihre Produkte. Ausgiebig werden die damals so populären Marvelhefte durch den Kakao gezogen, Blaxploitation-Filme werden in unzähliger Zahl zitiert und im Kopf spielt dazu Curtis Mayfields „Superfly“-Soundtrack. Es ist Jim Rugg und Brian Maruca hoch anzurechnen, dass diese Mischung dabei runtergeht wie ein gut gemixter Tequila Sunrise.

Das man nach ausgiebigem Genuß derselben irgendwann selber befürchten muß peinlich zu werden, vergißt man bei den Spaß den man auf dieser 70er-Party hat. In diesem Sinne: Jim, Brian, mixt mir noch einen!

PS: Zur Feier der Eisner Award-Nominierung hat Jim Rugg die aktuelle Ausgabe von „Afrodisiac“ auf seinem Blog zum Lesen für alle kostenlos zugänglich gemacht!

 

Jim Rugg & Brian Maruca
Afrodisiac
AdHouse Books
ISBN 978-1935233060

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