Graphic Novel – Tess Garman & Tegan Gavet, Nordguard

Alaska im Jahr 1901: In einer weit abgelegenen Mine kommt es zu einem Massaker. Während die Arbeiter sich gegenseitig abschlachten, dringen fremde Truppen ein. Im letzten Moment gelingt es einen Hilferuf per Telegraph abzusetzen…

Doch die Nachricht ist alles andere als eindeutig und so sendet die Minengesellschaft nur ein Team der “Nordguard”: Eine Gruppe von Schlittenhunden um die Anführerin Pi, die eigentlich nur einen medizinischen Notfall erwarten. Weitgehend unbewaffnet machen sie sich auf die riskante Reise und kaum haben sie die Zivilisation hinter sich gelassen, reisen durch die Eis- und Schneebedeckte Landschaften, beginnen sie zu ahnen, dass dies nicht die einfache Transportmission ist, die Pi in ihrem Optimismus erwartet hat. Denn nicht nur die Mine scheint Probleme zu haben, auch die Stämme des Nordens bereiten sich auf Krieg vor…

Um es gleich klar auszudrücken: In “Nordguard” übernehmen Tiere die Rollen der Menschen. In der Interpretation der meist unter dem gemeinsamen Pseudonym “Blotch” auftretenden Künstlerinnen sind dies geradezu hyperrealistisch erscheinende Figuren, die scheinbar mitten in der Bewegung für das Bild eingefangen wurden. Vieles bleibt dabei ungesagt, doch Gestik und Mimik sind vielfach komplexer und realistischer als in vielen Comics mit menschlichen Protagonisten.

In vielerlei Hinsicht erinnert “Nordguard” an das spanisch-französische Comic “Blacksad”: Mit Liebe zum Detail handgemalte Panels, Tiere in Menschenrollen, kaum zu verhehlende Referenzen an bekannte Genres und Vorlagen (sicherlich heißt einer der Charaktere nicht aus Zufall “London”). Der Hauptunterschied zu “Blacksad” liegt dabei im Format. Während dieses in jeweils einem Band abgeschlossene Geschichten präsentiert, ist der erste der drei angekündigten Bände von “Nordguard” reine Exposition. Charaktere und Konflikte werden eingeführt und man lernt diese gut kennen. Bevor allerdings etwas aufgelöst wird, ist der Band auch schon um, obwohl auf den 75 Seiten durchaus nicht wenig passiert.

Deshalb bleibt “Nordguard – Across thin ice” ein Versprechen. An den Rändern ist die Geschichte vorhersehbar und manch eine Figur oder Situation kommt einem bekannt vor. Doch es ist ein Versprechen, das einem in seinen stärksten Momenten vollkommen vergessen läßt, dass das Beste noch kommen soll. Das sind diese magischen Momente, wenn die beiden Künstlerinnen die spektakuläre Natur in Szene setzen: Dann druchtränkt die verwendete Wasserfarbe geradezu die Panels, läßt die dynamischen Figuren und ihre Umgebung in Morgenlicht Nebel und Schneetreiben mal erstrahlen, mal untergehen. Die Farbdramaturgie, spannungsgeladene Kontraste und Lichtstimmungen lassen den Leser die eisige Luft Alaskas, die Wärme eines Lagerfeuers oder die unerbittliche Kälte spüren, die ein von einem Nordlicht beleuchteter Streit hervorruft.
Gute Lektüre also wenn man gerade am Kamin sitzt.

 

Tess Garman & Tegan Gavet
Nordguard – Across thin ice
Sofawolf Press
ISBN 978-193668910-1

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