Graphic Novel – Frederik Peeters, Lupus

In Stanislaw Lems „Phantastik und Futorologie“, seinem berüchtigten Verriss (fast) aller westlicher Science Fiction, schrieb er, dass nach seiner Ansicht wahre Science Fiction nur dann gegeben ist, wenn die dargestellte Welt nicht bloß eine fantastische, pseudo-wissenschaftliche Verklärung unserer eigenen ist.
So gesehen ist Frederik Peeters „Lupus“ keine wahre Science-Fiction, denn die Geschichte die er erzählt ist sehr von dieser Welt.

Die Freunde Tony und Lupus gönnen sich nach dem Ende ihrer Militärzeit, beziehungsweise ihres Studiums ein gemeinsames Abenteuer, indem sie mit einem Raumschiff von Planet zu Planet fliegen, um dort zu „angeln“ und sich mit den jeweils dort verfügbaren Drogen zuzudröhnen. Dies ändert sich von einem Moment den nächsten als sie auf dem Planeten Norad die Ausreisserin Sanaa aufgabeln. Diese entpuppt sich als Tochter eines skrupellosen Oligarchen, der nicht davor zurückschreckt seine Tochter auch mit Waffengewalt zurückzuholen. Der Draufgänger Tony überlebt dies nicht und plötzlich findet sich der eher zögerliche (aber schwer verliebte) Lupus mit Sanaa auf der Flucht. Auf Necros, einem vermeintlichen Rentnerparadies, wo sie bei einer Gruppe Aussteigern Zuflucht finden, muß Lupus dann erfahren, dass Sanaa von Tony schwanger ist, während er es bisher noch nicht einmal gewagt hat sie zu küssen. Während die Söldner wieder näherkommen, muß Lupus sich nun vor allem damit auseinandersetzen, was er eigentlich selber will…

In Deutschland ist Frederik Peeters vor allem durch sein autobiografisches Werk „Blaue Pillen“ (erschienen bei Reprodukt) bekannt und Kenner dieser Graphic Novel werden vieles Motive und Charakteristika seines Stils in „Lupus“ wiederentdecken. Vor allem Peeters‘ Tonfall ist derselbe.

Dabei ist „Lupus“ eigentlich bereits schon fast 10 Jahre alt. Vier Alben erschienen zwischen 2002 und 2006, wurden unter anderem in Angoulême ausgezeichnet und letztes Jahr in einer Gesamtausgabe gebündelt. Und was für eine Ausgabe das ist! Selten sind Comics auch etwas für Bücherliebhaber, aber der schwere, große Band mit dickem, weichem Papier riecht geradezu nach der schwarzen Tusche, die Peeters ausschließlich für seine Zeichungen verwendet. Seine runden weichen Zeichnungen arrangiert er in einem recht konventionellen, drei-spaltigen Layout, wodurch die Seiten mit demselben Understatement daherkommen, wie es seiner Schilderung der SF-Welt entspricht. Alles erscheint normal, nichts aufdringlich oder „flashy“.

Denn es geht in „Lupus“ nicht um die Raumschiffe, die Drogen der Zukunft oder die Ökologie ferner Planeten (der er aber viel Raum einräumt), sondern um seinen Helden. Die futuristische Welt durch die sich „Lupus“ und mit ihm der Leser bewegt ist eine Innenwelt und wer würde nicht zustimmen, dass diese etwas komplexer ausfällt, wenn die Frau in die man verliebt ist, von seinem besten Freund schwanger ist?

Stanislaw Lem schrieb auch: „Die Tatsache, dass viele wissenschaftlich-phantastische Erzählungen im Grunde genommen Märchen sind, die sich für Science-Fiction-Geschichten ausgeben, kommt einer Fälschung gleich.“
Ein Märchen ist „Lupus“ auf jeden Fall nicht.

 

(französische Ausgabe)
Frederik Peeters

Lupus
Atrabile
ISBN 978-2-940329-90-8

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