Graphic Novel – Kevin Mutch, Fantastic Life

Adam hat es nicht leicht: Zwar ist er Musiker in einer Punkband, aber trotzdem schafft er es nicht an Frauen ranzukommen. Vor den Augen von Anna (deren Hinterteil ihn magisch anzieht), wird er von einem Nerd mit einem Vortrag über Dekonstruktivismus gedemütigt. Doch trotzdem wacht er mit Anna an seiner Seite am folgenden Morgen auf. Allerdings kann er sich nicht erklären, wie es nach dem Desaster des vorherigen Abends überhaupt dazu gekommen ist.

Aber vielleicht ist alles auch ganz anders gewesen, denn in Wahrheit ist Adam Maler und nicht Musiker und sein bester Freund erschießt sich in einem radikalen Akt von „performance art“. So begegnet er Anna, weil sie für den Aktzeichenkurs Modell steht. Das erklärt aber immer noch nicht die Zombies, die Adam überall zu sehen glaubt und warum er – als er Anna in ein Café ausführt – plötzlich über das Viele-Welten-Prinzip Auskunft geben kann. Vielleicht hätte er doch etwas weniger Drogen nehmen sollen…

„Fantastic Life“ (der Titel spielt auf einen Song von The Fall an) ist ein Gewinner des amerikanischen Xeric Grants, eines Förderprogramms, dass Künstlern die Möglichkeit geben soll ihre Werke selber herauszugeben. Obwohl der Preis in Zeiten des Webcomics wie ein Anachronismus wirkt, ist er dennoch immer nocht hoch angesehen.

Autor/Zeichner Kevin Mutch setzt mit dem Preisgeld ein fantastisch überzeichnetes, autobiographisches Comic um. Während das Layout konventionell bleibt, erinnert die Gestaltung mit ihren ungelenk wirkenden Bildern in den stärksten Momenten stilistisch an Charles Burns, allerdings ohne jemals dessen Klasse zu erreichen. Dennoch kann man die Nähe zu Charles Burns‘ „X’ed out“ oder „Black Hole“ spüren. Wahrscheinlich liegt dies allerdings weniger an dem Versuch Mutchs Burn zu imitieren, als vielmehr die ähnlichen Quellen aus denen sich die Werke speisen: Die Jugend in der amerikanischen Provinz, Punk, die Entfremdung des Erwachsenwerdens als Thema und die eben die Independant Comic-Szene zu der man Mutch’s Graphic Novel zählen muß.

Letztendlich wird dem Leser ein Rätsel präsentiert: Welche von den verschiedenen alternativen Welten, die sich Adam präsentieren, ist die wirkliche? Oder vielmehr: Gibt es eine wirkliche Welt? Adams Desorientierung setzt Kevin Mutch direkt in die Geschichte um und gibt dem Leser dennoch das Gefühl, dass Adam überall gleichermaßen verloren ist. Ob als Musiker oder Maler, ob er Anna bekommt oder nicht…
Und zugleich kommen die Zombies näher.

[Englische Ausgabe]
Kevin Mutch
Fantastic Life
Blurred Books
ISBN 978-0-9771612-8-7

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