Graphic Novel – Bruce Jones & Sam Kieth, Batman – Through the Looking Glass

Zum Erschrecken seines Dieners Alfred ist Batman nicht ganz bei sich. Er halluziniert und meint eine alte Kindheitsfreundin namens Celia zu sehen, die ihn in ein merkwürdiges Land irgendwo zwischen Realität und Alice’s Wonderland bringt. Dort versucht Batman eine Mordserie an einflußreichen Stadträten aufzuklären, die sich zufälligerweise allesamt gemeinsam mit Bruce Wayne am vorherigen Abend auf einer Party befanden, auf der auch ein Zauberer in Gestalt eines verrückten Hutmachers auftrat.

Für Batman-Kenner muß an dieser Stelle nichts weiter erklärt werden. Die Figure des Mad Hatter ist einer der klassischen Batman-Villains und seine Obsession mit „Alice in Wonderland“ sein Hauptcharakteristikum, ebenso wie seine Fähigkeit mit technischen und anderen Mitteln die Gedanken von Menschen zu kontrollieren. Man kann also getrost sagen, dass „Batman – Through the Looking Glass“ eine geradezu klassische Batman-Geschichte ist, in der unter anderem natürlich noch jede Menge Lewis Carroll-Figuren, eine sexy Assistentin, Robin und ein geradezu obligatorisches Kindheitstrauma aus Bruce Waynes Vergangenheit eine Rolle spielen.

Das besondere an diesem Batman-Band ist für Kenner sicherlich die Beteiligung von Sam Kieth. Obwohl er nicht unbedingt zu den Superstars der amerikanischen Comic-Szene gehört, so besitzt Kieth doch eine sehr treue Fangemeinde. Nicht zuletzt wegen seiner Beteiligung an der Erschaffung von Neil Gaimans „Sandman“ und Kieths eigener, sehr erfolgreicher Serie „The Maxx“ (die nun beide schon fast 20 Jahre zurückliegen). Seitdem kann Kieths Karriere durchaus als eine künstlerische Achterbahnfahrt bezeichnen, die man mehr, mal weniger von Erfolg gekrönt war.

Dies ist wichtig, weil Kieth zwar kein Fremder innerhalb des Superhelden-Genres ist (er hat etwa auch an Marvels Wolverine gearbeitet), aber seine Gestaltung dennoch mit allen Konventionen bricht: Sein Zeichenstil schwankt zwischen Realismus und Karikatur, extrem detaillierter Ausarbeitung und bloßer Skizze, und das nicht selten auf ein und derselbe Seite. In „Batman – Through the Looking Glass“ sind diese stilistischen Schwankungen noch stärker ausgeprägt als bei vielen seiner vorherigen Arbeiten (in einigen Panels sind noch die Bleistiftvorzeichnungen zu erkennen).
Zudem gehört es zu Kieths Besonderheiten, dass er das normale Verständnis von Räumlichkeit auflöst: Die Geschichte bewegt sich in einem Sam Kieth-Land in dem Distanzen, Proportionen und alle Regeln der physischen Welt nicht konsistent sind und der Handlungsort auch von einem Panel zum nächsten ein ganz anderer sein kann.

Dies paßt theoretisch natürlich perfekt zu einem Mash-Up zwischen Batman und Lewis Carrolls Fantasy-Klassiker „Through the Looking Glass“ und dürfte sicherlich auch die Idee hinter der Zusammenarbeit von Bruce Jones (vor allem als langjähriger Autor von „The Hulk“ bekannt) und Sam Kieth gewesen sein.
Deswegen ist es so wichtig auf die Frage einzugehen, ob die Geschichte Kieths dominante Gestaltung trägt und hier trifft man auf die Probleme dises Batman-Abenteuers. „Batman halluziniert“ darf man inzwischen sicherlich mindestens als eine sehr gut etablierte Storyline im Batman-Universum bezeichnen; ebenso gerne wird mit Bruce Waynes Traumata gespielt. Der dahinter steckende Fall ist leider ausgesprochen unoriginell und hat einige – trotz der phantasmagorischen Umsetzung – nicht zu verheimlichende logische Fehler.

Insgesamt wirkt deswegen „Batman – Through the Looking Glass“ nicht nur in seiner Gestaltung, sondern eben auch in seiner Geschicht hektisch und atemlos wie ein Fiebertraum. Man kann das als Sinn dieser Umsetzung verstehen und den Mut der beiden Macher loben, man kann den Band aber ebenso gut als unausgereift bezeichnen.
Fans von Sam Kieth dürfen (und werden sicherlich) zugreifen, alle anderen Leser – und vor allem Fans des klassischen Batmans – sollten erst einmal einen Blick riskieren, bevor sie sich diesen Band kaufen.

 

[Englische Ausgabe]
Bruce Jones & Sam Kieth
Batman – Through the Looking Glass
DC Comics
ISBN 978-1-4012-2553-7

Kategorien Blog | tagged , , , , | Bookmark permalink

Kommentare sind geschlossen.

  • Glossar
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Facebook
  • Kontakt
    Das wilde Dutzend Verlag
    Hagenauerstr. 2
    D-10435 Berlin
    fon: 030 28 88 31 99
  • Google+
  • Newsletter
    Monatliche News aus Berlin
    * indicates required
  • Adeles Salon
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Tagcloud