Graphic Novel – Faith Erin Hicks, Friends with Boys

Das erste Mal, dass Maggie McKay in ihrem Leben eine Schule betritt, ist zum Beginn ihrer High-School-Zeit. Bisher wurden sie von ihrer Mutter zuhause unterrichtet, aber nachdem diese aus dem Leben von Maggie, ihren drei Brüdern und ihrem Vater verschwunden ist, führt für Maggie kein Weg mehr an einer öffentlichen Schule vorbei. Die Tatsache, dass sie bisher außerhalb ihrer Familie noch nie wirkliche Freunde hatte, macht es ihr auch nicht gerade leichter sich in der Schule zurecht zu finden.

So muß sie schnell feststellen, dass vieles an ihr vorübergegangen ist: Ihre Brüder sind ihr in diesem Umfeld so fremd und die typischen Schulrivalitäten sind für sie unverständlich. Da erscheint es natürlich geradezu selbstverständlich, dass sie sich mit den Schulaußenseitern anfreundet und da Maggie auch noch von einem Geist verfolgt wird fühlt sie sich durchaus zugehörig…

Zeichnerin und Autorin Faith Erin Hicks gehört zu der jungen Garde kanadischer Comic-Künstler, die seit einiger Zeit den englischsprachigen Independant-Comic-Markt vorantreibt. Das ist nicht zuletzt auch daran zu erkennen, weil Hicks‘ großäugige Figuren vielfach an „Scott Pilgrim“ ihres Landsmannes Bryan Lee O’Malley erinnern. Doch ihr Stil ist wesentlich detailfreudiger und ihre mit Tusche getränkten, dunklen Zeichnungen sind atmosphärisch und erwecken subtil den Eindruck als ob in dem fiktiven Sanford, dem Ort der Handlung, ewiger Herbst zu herrschen scheint.

Man kann sicherlich unterstellen, dass sie diesen Ort sehr gut kennt, wenn auch vielleicht nicht im realen, aber so doch im emotionalen. Denn der Klappentext verrät, dass auch sie zuerst zuhause unterrichtet wurde und mit drei Brüdern aufwuchs. Doch es handelt sich sicher nicht um eine immer noch so modisches „autobiographic comic“, denn „Friends with Boys“ erzählt mehrere ineinander verschachtelte und sich gegenseitig bedingende Geschichten und man kann unterstellen, dass zumindest der Geister-Teil der Geschichte nicht autobiographich ist.

Wie man im Promo-Teil des Buches sehen kann, sollte „Friends with Boys“ eigentlich „The Education of Maggie McKay“ heißen, und auch wenn der aktuelle Titel durchaus paßt, so ist der alte doch zutreffender. Denn im Kern geht es um einen Lern- und Sozialisierungsprozess und in diesem Falle ist dies keinesfalls so trocken wie es sich sicherlich anhört. Ganz nebenbei wirft sie auch noch Fragen zu Geschlechter- und Rollenbildern auf.

Doch vor allem dreht sich „Friends with Boys“ um die Frage, warum High School (und natürlich äquivalente Schulformen weltweit) für manche Schüler zur Hölle werden, dass dies zum Ende hin in Form einer Abenteuergeschichte erzählt wird, ist eines der charmanten Details dieser mäandernden, an den Kanten ungeschliffenen Graphic Novel aus. Trotz vieler bekannter Genre-Elemente ist es eine etwas andere amerikanisch-kanadische Teenager-Geschichte.

[Die ersten 20 Seiten der Graphic Novel, die zuerst als Webcomic realisierte wurde, kann man immer noch auf der entsprechenden Webseite probelesen!]

 

[Englische Ausgabe]
Faith Erin Hicks
Friends with Boys
First Second
ISBN 978-1-59643-556-8

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