Graphic Novel – Uki Ogasawara, Black Sun

Manchmal tun sich dunkle Abgründe unter Rezensenten aus. Orte an denen im 12ten Jahrhundert bereits Kanonen existierten, Konstantinopel bereits von den Osmanen erobert worden war und attraktive blonde Männer von attraktiven dunkelhäutigen Männer vor Herrscharen von verfeindeten Soldaten vergewaltigt werden…
Ja, mag sich der Leser an dieser Stelle fragen, was bist Du auch so blöd Dich da hinzubegeben, Rezensent? Und, werter Leser, Du hast ja auch so recht. Wieso begebe ich mich dorthin?

Laßt es mich versuchen zu erklären: In deutschen Comicläden findet sich immer häufiger etwas, was mit „Yaoi“ oder auch gerne als „Boys‘ love“ bezeichnet wird, ein Genre der japanischen Mangakultur, das vor allem von Frauen für Frauen gezeichnet wird. In diesem Fall von der Autorin und Zeichnerin Uki Ogasawara (keine Garantie dass das tatsächlich eine Frau ist, ich hab‘ das aus dem Internet).
In der feministischen Variante des Macho-Spruches „Double the girl, double the fun“ geht es im Yaoi vor allem darum, dass gutaussehende Männer aneinander zur Sache gehen. Und nein, sie tun das nicht dezent, zurückhaltend romantisch und züchtig. Vor allem nicht letzteres. Vor allem nicht in „Black Sun – Doreioh“.

Da wird der ausgesprochen gutaussehende Knackarsch von Kreuzritter, Leonard de Limbourg, vom osmanischen Janitscharen-General Jemal Jan gleich mal so richtig ordentlich rangenommen nachdem erster von letzterem besiegt wurde. Daraufhin schleppt Jemal Jan seinen Gefangenen als persönlichen Sexsklaven in seinen Palast in Istanbul, der gleich neben dem Palast des Sultans, der Hagia Sophia liegt. Deswegen bleibt dies dem Sultan und seiner rechten Hand, dem einst von Jemal verschmähten Nikolaides, auch nicht verborgen. Weswegen Nikolaides alles unternimmt, um Jemals Position zu schwächen und ihn von Leonard zu trennen. Obwohl eigentlich nur ein Spielball in den Intrigen und Sexobjekt beginnt Leonards innerer Widerstand gegenüber Jemal und seinem großen Penis zu schwinden…

Natürlich werden jetzt Kleingeister anmerken, dass die Kreuzritter niemals gegen die Osmanen angetreten sind, Istanbul zu dieser Zeit noch christlich war und die Hagia Sophia kein Palast sondern zuerst Kirche und dann Moschee war. Aber diese Menschen haben die Essenz des vorhergehenden Abschnittes nicht mitbekommen: Knackarsch! Großer Penis! Beziehungsweise die einzig mögliche, denkbare Kombination dieser beiden.

Und wie üblich im Yaoi sehen alle Männer unverschämt gut aus, erfreuen sich beschriebener großer Penisse (eigentlich „Penii“, aber sagt das dem Duden!) und einer schier endlosen Potenz, weswegen es entsprechend oft zur Sache geht. Um genau zu sein, auf nicht weniger als 51 von 173 Seiten gibt es körperliche, ungezügelte Liebe zwischen in Schweiß und Waffenöl glänzenden Männerkörpern (damit nichts davon ablenkt tauchen auf besagten 173 Seiten übrigens exakt 0 Frauen auf!).

Warum begebe ich mich also in solch dunklen Abgründe als Rezensent?
Die Antwort ist Liebe! Jawohl, die unermessliche Liebe, die sich zwischen zwei wohlgeformten, vom Kampf gestählten und von der Sonne des Südens im Schweiss gebadeten Männerkörper entlädt. Dort erheben sich ihre Schwerter und ruhen nicht eher, bevor eines sich nicht in dem Körper des anderen…

Moment, konzentrieren wir uns auf die über dieses Buch bekannten historisch nachprüfbaren Fakten!

 

Uki Ogasawara
Black Sun – Doreioh
Tokyopop
ISBN 978-3-8420-0477-1

Kategorien Blog | tagged , , , , , | Bookmark permalink

Kommentare sind geschlossen.

  • Glossar
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Facebook
  • Kontakt
    Das wilde Dutzend Verlag
    Hagenauerstr. 2
    D-10435 Berlin
    fon: 030 28 88 31 99
  • Google+
  • Newsletter
    Monatliche News aus Berlin
    * indicates required
  • Adeles Salon
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Tagcloud