Graphic Novel – Shotaro Ishinomori, Hokusai

Hokusai war mehr als nur der bekannteste Maler Japans: Er war ein künstlerisches Genie, dass bis ins hohe Alter Werke schuf, die bis heute weltweit wiedererkannt werden. Das er zugleich ein armer Schlucker, ein mehrfach gescheiterter Ehemann und ein alter Lustmolch war, erfährt man in Shotaro Ishinomoris „Hokusai“, das ausgehend vom Tod des Meisters in einer baufälligen Hütte Episoden aus dessen Leben erzählt.

Von seinem Wunsch sich in der Mitte seines Lebens von seinen Meistern zu lösen und über diese hinauszuwachsen, über Zwangsheiraten und Erlebnisse, die Hokusai auf seinen ausgedehnten Reisen durch Japan gemacht hat; von einfachen Leuten auf der Straße bis zum Hofe des Shogun reicht das Panorama eines außergewöhnlichen Lebens und das Porträt des längst verschwundenen und verklärten Japan der Edo-Zeit.

Der 1998 verstorbene Shotaro Ishinomori ist selber eine Legende des Manga: Als einer der Protégés des Manga-Übervaters Osamu Tezuka war er zu Beginn seiner Karriere künstlerisch sehr stark an dessen Werk orientiert, setzt sich inhaltlich allerdings von ihm ab. So kann Ishinomori als Mitbegründer des japanischen Cyborg/Superhelden-Genres angesehen werden. Allerdings war sein Werk wesentlich differenzierter und wie sein Mentor wendete er sich später in seiner Karriere zunehmend auch anspruchsvolleren Stoffen, wie eben „Hokusai“ zu.

Normalerweise kann man aus der Kombination eines namhaften Zeichners mit einem klassischen Thema Großes erwarten, doch gerade der Vergleich mit Tezuka fällt in diesem Falle zu Ungunsten von Ishinomori aus: „Hokusai“ erspart seinem Helden, dem Großmeister der japanischen Malerei nichts. Bis ins Alter ist er ein lüsterner Schwerenöter, der zwar ein unvergleichliches Talent und Können, aber keinerlei Verständnis für Geld hat. Er benimmt sich daneben, ist stur und behandelt selbst seine engste Familie schlecht. Wie in vielen literarischen Künstlerbiografien ist Hokusai auch bei Ishinomori ein Getriebener, der alles seinem Talent opfert. Doch es gelingt Ishinomori nicht diese Facetten in eine spannende Geschichten einzuweben.

Die einzelnen Geschichten aus unterschiedlichen Lebensaltern erzählen mal mehr, mal weniger fiktiv anekdotisch von Hokusais Erlebnissen. Diese reihen sich unchronologisch aneinander, so dass es für den Leser schwer ist die künstlerische und persönliche Entwicklung von Hokusai nachzuvollziehen, soweit man nicht mit seiner Biografie vertraut ist.

Vielleicht ist das was Ishinomori von seinem wahrscheinlich mehrheitlich japanischen Lesern voraussetzt: Er hält sich nicht mit den sowieso schon bekannten Details auf. Stattdessen präsentiert er – wie Hokusai in seinen Bildern – Ausschnitte von Ereignissen. Und gerade da wo die Bilder des sehr klassisch erzählten Manga auf Hokusais Bilder und damit zwei Stile aufeinander treffen entstehen immer wieder interessante Kombinationen, die dennoch dem Werk des Meisters nichts hinzufügen können.

 

[Französische Ausgabe]

Shotaro Ishinomori
Hokusai
Kana Sensei
ISBN 978-2-5050-1302-0

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