Graphic Novel – Chipp Kidd & Dave Taylor, Batman – Death by Design

Gotham City ist eine Stadt aus Nacht, Rauch und Beton. Und zumindest letzteres ist von den Menschen bewußt gestaltet worden. Das ist der Grund warum Batman hier heimisch ist, der hier noch ganz der werdende, selbsternannte Superheld ist: Ein junger Erbe, der noch nicht über alle seine Fähigkeiten verfügt, dessen Arsenal an Waffen und Hilfsmitteln noch unerprobt ist und der sich auch erst noch mit seinen Gegner vertraut machen muß.

Einer von diesen ist Exacto, eine Gestalt, die immer dort auftaucht, wo Gebäude in sich zusammenstürzen, wo Kräne sabotiert werden und Korruption die Fundamente von Wolkenkratzern, ebenso wie die der Gesellschaft untergräbt. Sein Hauptinteresse liegt ausgerechnet auf Wayne Central Station, dem baufälligen, von Bruce Waynes Vater beauftragten Hauptverkehrknotenpunkt der Stadt. Das bringt Batman/Bruce Wayne in eine Zwickmühle: Wie sehr ist dies eine Aufgabe für Batman? Wie sehr die Verantwortung von Bruce Wayne? Oder ist dies bei diesem architektonische Sinnbild ein und dasselbe?

Das ausgerechnet Batman sich mit der Frage und Bedeutung von Architektur auseinandersetzen muß, ist sicherlich nicht vollständig überraschend: Batman war schon immer der Superheld im Arsenal seines Verlages, der am offensten für Experimente war. Der Experimentator ist im Falle von „Death by Design“ der legendäre Designer Chip Kidd, der vor allem für seine Buchcover als stilbildend gelten kann. Das sich in Kidds Portfolion auch Comics befinden mag verwundern, da Comics normalerweise nicht zu den Millionenbestsellern gehören, mit denen Kidd ansonsten gerne beschäftigt ist. Aber Kidd ist ein selbsterklärter Comic-Fan und das dürfte nicht zuletzt einer der Gründe sein, warum sein erster Vorstoß als Comic-Autor gleich eine der traditionsreichsten Figuren sein durfte.

An Kidds Seite ist dabei der britische Zeichner Dave Taylor, der für Batman-Afficinados alles andere als ein Unbekannter sein dürfte („The Riddle Factory“ und einige Ausgaben der Serie „Shadow of the Bat“). Er hat Kidds Geschichte ausschließlich mit Bleistift, Graphit und äußerst sparsamem Einsatz von digitaler Kolorierung umgesetzt. Dadurch besitzten die Bilder eine hohe grafische Qualität, wenn sie vielfach auch sehr statisch wirken (so verzichtet er fast vollständig auf Speedlines), was der Action-reichen Handlung an einiger Stelle den Drive, wenn auch nicht die Ästhetik nimmt.

Doch es sind sicherlich nicht die Zeichnungen die einem den Spaß verderben. Man kann nur mutmaßen, dass der bei DC verantwortliche Lektor der lebenden Legende Chip Kidd nicht hineinreden wollte. Es ist noch zu verschmerzen wenn an einer Stelle zwischen zwei Panels plötzlich Kohlenmonoxid und Kohlendioxid verwechselt werden, aber spätestens wenn bei einem Mordversuch Exactos alle Regeln der Logik über Bord geworfen werden, bloß damit die Geschichte funktioniert, sträuben sich beim Lesen doch die Nackenhaare. Leider bleibt es nicht bei dieser einen Schwäche.

Auch wenn „Death by Design“ vieles richtig macht und Batman-Fans sicherlich durch Atmosphäre, einen Rückgriff auf die Anfangsjahre von Batman und der Freude am Mythos einiges Vergnügen bereiten wird, so ist es zutiefst ironisch, dass man den Titel „Death by Design“ leider auch als eine programmatische Ankündigung lesen kann. So wie in der Handlung ein ambitionierter Architekt an den brutalen Realitäten von Korruption und Eifersucht scheitert, so leidet dieses Comic unter der Annahme, dass es bloß ausreichnen würde einem renommierter Star eine Geschichte schreiben zu lassen.

Chipp Kidd & Dave Taylor
Batman – Death by Design
DC Comics
ISBN 978-1-4012-3453-9

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