Graphic Novel – Cathy Malkasian, Temperance

Diese Rezension hätte schon vor langer Zeit geschrieben werden sollen. Immer wieder bin ich um „Temperance“ herumgeschlichen, unsicher was ich eigentlich davon halten soll. Doch die bloße Tatsache, dass diese Graphic Novel so lange in meiner Erinnerung geblieben ist, hat mich davon überzeugt, dass sie über etwas verfügt, was auch zwei Jahren nach ihrem Erscheinen noch von Bedeutung ist.

Die Geschichte ist metaphorisch und verheimlicht dies keinen Moment. Die in den Grautönen von Bleistift und Graphit gehaltenen Bilder erzählen vor allem die Geschichte von Minerva und Lester. Minerva ist die (häßliche) Tochter von „Pa“, dem Gründer eines „Schiffes“ zur Rettung seines Volkes. Dieses Schiff ist allerdings nur eine riesige Steinmauer und „Pa“ seit Jahren verschwunden. Das hält Minerva nicht davon ab ihren eigenen Glauben an „Pa“ und dessen Mission ständig zu verbreiten. Lester ist ihr treuer Ehemann, ständig an ihrer Seite und doch fürchtet Minerva nichts mehr, als dass der gütmütige, angebliche Veteran vieler Schlachten, die Wahrheit über sein Schicksal erfährt.

Wenn Lester jemals in einer Schlacht war, dann war es seine Auseinandersetzung mit „Pa“, wo dieser den jungen Mann auf übelste Weise zugerichtet hat, bloß weil er verhindern wollte, dass „Pa“ sich an seiner anderen (hübschen) Tochter Peggy vergreift.
Und dann ist dies auch die Geschichte des Baumstammes, der als stummer Beobachter, zuerst als Lesters Holzbein und schließlich als geschnitzte Puppe alle Ereignisse miterlebt.

Mißbrauch, Rivalität, temperreligiöser Wahn, Krieg, Propaganda sind Themen, mit denen Eisner Award-Preisträgerin Cathy Malkasian („Percy Gloom“) die Seiten füllt. Zentral ist allerdings die Frage, ob es Gutes im Schlechten gibt: So ist Minervas Liebe zu Lester vollkommen aufrichtig, auch wenn sie glaubt Lester nur mit Lügen für sich einnehmen zu können. Letztendliche Antworten gibt sie darauf allerdings nicht und dennoch bietet der Titel am Ende dem Leser eine Interpretationsmöglichkeit an.

Mit Sicherheit ist „Temperance“ keine Graphic Novel für jeden Leser. Cathy Malkasian taucht tief in die Themenwelt und möglicherweise hat ihr Werk am ehesten mit dem von Autorinnen wie Ursula LeGuin oder Doris Lessing etwas gemein. Das aber wiederum läßt es zwischen anderen Comic-Arbeiten herausstechen, da sie nicht davor zurückschreckt eine fantastische Erzählung als Erzählgrund für abstrakte Themen zu nutzen. Sicherlich nicht jedermanns Sache, eben anders

 

[Englische Ausgabe]

Cathy Malkasian
Temperance
Fantagraphic Books
ISBN 978-1-60699-323-1

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