Graphic Novel – Ed Brubaker; Warren Pleece, Deadenders

Ed Brubaker ist im amerikanischen Mainstream Comic wahrscheinlich derzeit einer der renommiertesten Autoren: Seine Serie „Criminal“ wird als Wiederbelebung eines ganzen Genres (des Crime Comics) gehandelt und seine Arbeit an Marvels „Daredevil“ (von 2006-2009) gilt als eine der besten überhaupt in dieser Serie, die wahrscheinlich mehr renommierte Autoren auf sich vereinigt als jede andere. Da Brubaker in den letzten Jahren fast ausschließlich exklusiv für Marvel arbeitet, der ewige Konkurrent DC aber wohl auch etwas vom Brubaker-Kuchen abhaben wollte, hat man dort tief in den Archiven gewühlt und „Deadenders“ von 2000 hervorgeholt.

„Deadenders“ spielt in einer dystopischen Zukunft: Ein Ereignis namens „The Cataclysm“ hat die Realität zerrissen und Zerstörung sowie einen faschistoiden Staat hinterlassen. Im Sektor 5 der Stadt New Bethlehem wächst Beezer auf, ein Drifter, kleinkrimineller Drogendealer und Scooterfahrer. Umgeben ist er von einer kleinen Gang Gleichaltriger, seiner Freundin Sophie, seiner Cousine Corey und seinem besten Freund Jasper. Dass Beezer bereits seit Jahren an merkwürdigen Visionen leidet, die eine perfekte, heile Welt um ihn herum suggerieren, erzählt er nicht einmal seinen besten Freunden.

Als Beezer bei einem missratenen Autodiebstahl von einer seiner Visionen heimgesucht wird und dadurch Jasper tödlich verwundet wird, bricht Beezer aus seinem Leben aus und in die Sektoren der Reichen und Mächtigen der Stadt ein. Was er nicht weiß: Wegen seiner Visionen steht er schon lange auf der Suchliste jener Wissenschaftler, die den Grund des „Cataclysm“ erforschen. Beezer wird zur Zielscheibe und Schachfigur in einem Kampf, der weit über sein bisheriges Leben hinausgeht.

Dem Band von fast 400 Seiten Länge ist deutlich sein Alter anzumerken und das auf verschiedene Arten: Warren Pleece Zeichenstil ist ansprechend, doch erinnert beispielsweise nicht zufällig manch ein Cover an Jamie Hewletts damals noch so stilbildendes „Tank Girl„. Auch die detailarme Kolorierung ist mit der heutigen effekt-überladenen Photoshop-Kolorierung nicht vergleichbar. Obwohl „Deadenders“ erst 12 Jahre alt ist, wirkt es deswegen dennoch wie ein Schwarz-Weiß-Film: Ein Dokument einer anderen Ära.

Dass man am meisten Spaß hat, wenn man „Deadenders“ auch genauso liest, zeigt auch Brubakers Geschichte, in der der junge Autor offensichtlich keinen erzählerischen Kniff auslässt: Rückblende, Flash-Forwards, Multi-Perspektiven, Nebengeschichten, alternative Realitäten. Es zeigt Brubakers Können, dass die Geschichte dennoch nicht auseinanderfällt.

Dennoch ist Brubaker hier noch nicht auf dem Punkt angekommen, den er später einmal einnehmen wird. So steht auf dem Cover ein Blurb, das die Filme „Quadrophenia“, „Clockwork Orange“ und „Trainspotting“ zitiert und ausgerechnet den Film (beziehungsweise Comic) weglässt, der doch am deutlichsten Spuren in „Deadenders“ hinterlassen hat: „Akira“.
Eine Geschichte von Drogen-konsumierenden, auf Zweirädern fahrenden Jugendlichen in einer von Zerstörung gezeichneten Stadt, die mit psychischen Kräften ausgestattet gegen einen faschistoiden Staat kämpfen… Diese Zusammenfassung trifft auf beide Comics zu. Wobei man dazu sagen muss, dass „Deadenders“ deutlich mehr Rock-Musik und mehr Mods hat als „Akira“.

Unterhaltsam ist „Deadenders“ dennoch und sicherlich ist es auch interessant hier einem Autoren beim Wachsen zuzusehen, von dem noch nicht abzusehen ist, wo er eines Tages  landen wird.

 

[Englische Ausgabe]

Ed Brubaker & Warren Pleece
Deadenders
DC/Vertigo
ISBN 978-1-4012-3480-5

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