Adeles Salon bei der geheimnisvollen Tischgesellschaft

Mit einem Koffer ihrer Vorgängerin ging es los, das aktuelle Abenteuer von Adeles Salon. Im Auftrag der Loge suchte Adele diesen Koffer in Heidelberg und dank der (unbeabsichtigten) Hilfer einiger studentischer Anhänger der Tischgesellschaft Achim von Arnims konnte sie den Koffer auch aufstöbern. Beim Auspacken fanden Ernst Hellemann, Alfons Krampe, Sophie Zacher und Hans Meysenberg neben einer Ausgabe der Schriften Heinrich von Kleists, ein Lexikon, ein leeres Notizbuch, den Anfang einer Geschichte, die nach Dornröschen klang

Die Mutter hatte geduldig gehofft, so lang. … es fehlte an allem. Da schien ein solcher Tausch – auch wenn er magisch war – letztlich gerecht. Frieden fordert – wie die Magie – immer einen Preis.“

 und einen versiegelten Brief, der sich schnell als Träger geheimer Nachrichten erwies: erst über die Kerze gehalten gab er seine Geheimnisse preis (Geheimtinte!) – zumindest zum Teil, denn nicht alles war im Jahre 1912 schon verständlich. Eines war aber klar: die gefundene Geschichte, der Brief und die Verehrer der deutschen Tischgesellschaft, sie schienen zusammenzuhängen. Außerdem war Adele im Heidelberger Schloss etwas zugestoßen, worüber sie noch nicht bereit war zu reden.

 Adeles Salon besucht die Tischgesellschaft

Abtei - Terrasse Abtei-Insel Berlin 1899

In Berlin machte sie sich jedenfalls sofort wieder an die Recherche. Offiziell gab es diese Tischgesellschaft nämlich seit 1816 nicht mehr, ihr folgte die „Maikäferei“ nach. Als Quelle diente ihr dabei ein 1901 von Reinhold Steig herausgegebenes Bändlein. Die Berliner Intelligenz, der Adel – von Prinz Radzivil bis von Clausewitz, sie alle waren bis dahin Mitglieder dieser ominösen Treffen, die nur „gute christlich-deutsche Männer“ zuließ. Kein Wunder, dass es im Jahre 1912, genauergesagt am 18. Januar, in einem Berliner Casino zu einem Jubiläumstreffen kommen sollte. Gymnasialprofessor Jakob Breisky, ebenfalls ein Anhänger, dem Adele bei einer delikaten Angelegenheit unkompliziert zur Seite gestanden hatte, berichtete ihr davon und lud ihren Kreis sowie ihren „Bruder“ dazu ein – Frauen waren ja nicht erlaubt.

Nach einer abenteuerlichen Überfahrt auf die „Abtei-Insel“, die ihren Namen einer zur Gewerbeausstellung errichteten Abtei im schottischen Stil verdankte, bei der Maximiliano und Hellemann ob der schottischen Kulisse gleich auch das Monster von Loch Ness zu sehen glaubten, erwies sich das Treffen auf den ersten Blick als relativ banal. Gut, man stieß aufs Jubiläum der preußischen Krone an, lauschte allerlei kriegslüsternen Gesprächen vom Platz an der Sonne bis hin zum „ein Schiff wie die Titanic müsste man bauen, statt U-Boote im Kieler Hafen zu versenken!“, doch zur Enttäuschung von Hellemann sollte am heutigen Tage nicht einmal bajonettiert werden, während Grundwein enttäuscht ob der fehlenden Spieltische war.

Das Gästebuch

Deutsche-Tischgesellschaft-1811-MitgliederMeysenberg und Adele (aka Andreas Dauner), stürzten sich dagegen voller Begeisterung aufs Gästebuch, das noch das Original aus dem Jahre 1811 war und daher auch die Namen all jener trug, die die Gesellschaft gegründet hatten: Achim von Arnim, Adam Müller, Clemens Brentano, von Bülow, von Clausewitz, Kleist (zumindest für ein Treffen), und viele mehr. „von Arnim und Brentano waren seit der Arbeit am Knaben Wunderhorn eng mit den Grimms befreundet, wussten Sie das, Meysenberg?“ – „Die Grimms?“, „Jaja, von Arnim schrieb ihnen schon 1810 von seinem Plan, diese Tischgesellschaft zu gründen: ‚„Adam Müller ist Mitunternehmer, ich bin Gesetzgeber. Das weiseste der Gesetze bestimmt, daß jeder lederne Philister ausgeschlossen ist.““ Meysenberg runzelte die Stirn, war aber zu höflich, um seiner Skepsis stärkeren Ausdruck zu verleihen: „Philister, soso. Und Sie meinen, das könnte mit unserer alternativen Dornröschen-Version zusammenhängen?“ „Nun, eigentlich war als Fortsetzung der Volkslieder im Wunderhorn ein Volksmärchen-Buch geplant, an dem die Grimms wieder als Sammler mithelfen sollten. 1810 schickten die Brüder ihre gesammelten Werke an Clemens Brentano – und hörten nie wieder etwas darüber. Die Märchen verschwanden einfach, bis sie die Grimms am 20.12.1812 selbst herausgaben. Was ich gerne wissen würde ist folgendes: was machte Brentano mit den Abschriften und wie veränderten die Grimms ihre Versionen bis zur eigenen Veröffentlichung?“ Meysenberg wirkte nun wieder voll und ganz bei ihr: „Ach, wir sind also hinter den ursprünglichen Geschichten her!“ – „Ganz genau. Geschichten, die für Geschichte stehen und nicht nur für Märchen…“ – „Na, dann lassen Sie uns die Herren mal aushorchen, ob es hier noch mehr Schätze aus dem Jahre 1811 aufbewahrt wurden…“

Fundstücke bei der Tischgesellschaft

Tatsächlich fand der Salon im ersten Obergeschoss doch noch sein Glück. Ein Roulette-Tisch für Grundwein, der sich voller Vergnügen auf das verstaubte Möbel stürzte und dabei einen verborgene Tür in Gang setzte: neben dem bereits zitierten Brief des Gründers an die Grimms, fand sich darin auch eine Blume im Apothekerglas, die Maximiliano sofort untersuchte. Er schraubte den Deckel ab, ein sonderbarer Geruch entfaltete sich … und als sie zehn Minuten später wieder wach waren, hatten sie alle die Erinnerung an eine Tafel voller Menschen an deren Kopfende ein gelockter mittelalter Mann eine Rede über „Philister“ hielt, während ein Grüppchen im Separee des Raums eine Rolle… Das Bild wurde trüb, die Wirkung ließ nach.

Fortsetzung Adeles Salon

Was war geschehen? Eine Frage, die sie auch auf der Rückfahrt noch nicht beantworten konnten. Das Glas, nun fest verschraubt unter dem Arm, war klar: als nächstes müssten sie herausfinden, was es mit dieser sonderbaren Pflanze auf sich hat. Und dem gelockten Herrn auf den Zahn fühlen…

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