Graphic Novel – Craig Thompson, Mach’s gut, Chunky Rice

Spätestens mit dem Erscheinen und dem großen kommerziellen Erfolg von „Habibi“ ist Craig Thompson auch im kulturellen Mainstream, jenseits des Comic-Marktes angekommen. Bereits bei seinem zweiten Buch, dem autobiographischen „Blankets“ (von 2003) hatte es derartige Bewegungen gegeben, doch obwohl auch „Blankets“ ein großer Erfolg war und das Genre des autobiographic comic endgültig verankerte, blieben die Grenzen seines Erfolges noch überschaubar.

Nun, nach dem Erfolg von „Habibi“ hat sein deutscher Verlag einen Rückgriff auf Thompsons erstes Werk gemacht und diese neu veröffentlicht: „Mach’s gut, Chunky Rice“.

Da meine nicht allzu hohe Meinung zu „Habibi“ hier nachzulesen ist, möchte ich garnicht verhehlen, dass dies keine normale Rezension ist und auch sein kann: „Chunky Rice“ ist über 10 Jahre alt und dürfte allen, die einen Blick auf den amerikanischen Comic-Markt werfen, alleine schon wegen des überschwänglichen Lobs durch Comic-Legende Alan Moore nicht entgangen sein.

Zum Inhalt: Chunky Rice ist eine Schildkröte, die sich auf eine Seereise macht, nachdem sie es nicht mehr aushalten kann in der Stadt zu bleiben. Dafür muß sie allerding ihre beste Freundin, eine Maus, zurücklassen. Chunky trifft auf der Seereise – ebenso wie ihre Freundin in der Stadt – verschiedenste Leute, die alle Geschichten von Trennung, Verlust oder der Unfähigkeit derselben zu berichten haben.

Es ist weniger eine Geschichte, die Thompson erzählt, sondern vielmehr funktioniert die Graphic Novel rein assoziativ: Themen, Metaphern, Motive, an reale Personen erinnernde Figuren werden aneinander gereiht. Jeder wird darin anderes erkennen, mal wird es mehr, mal weniger Sinn machen. Dazu machen die Figuren bedeutungsschwangere Statements wie etwa „Du bist wie eine kleine Blume, die zu groß für ihren Topf geworden ist. Du mußt umgepflanzt werden, um weiter zu wachsen.“
Dieser Satz wird zudem ausgerechnet von der Maus gesprochen, die die Trennung von Chunky Rice mit heroischer Aufopferungsbereitschaft auf sich nimmt.

Für kritische Leser ist die Konstruktion Thompsons dabei deutlich spürbar, sie funktioniert in der Reihung melodramatischer Motive in Kombination mit eben jenen offenen, verschieden interpretierbaren Dialogen. Dazu kommen Thompsons – damals noch stilistisch noch nicht so sicheren, aber dennoch beeindruckenden – Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die auf schwarzen Seiten arrangiert sind, die allem eine zusätzliche Schwere geben. Der Gesamteindruck ist ebenso effektiv, wie kalkuliert.

„Mach’s gut, Chunky Rice“ ist ein beeindruckendes Debüt eines Autoren, der bereits mit diesem Werk genau wußte, wohin er wollte: Er wollte den großen, kommerziellen Erfolg. Das hat er dem kritischen Leser niemals verheimlicht und mit jeder neuen Veröffentlichung ist er erfolgreicher gewesen als mit der vorherigen. Craig Thompson ist auf dem Weg dorthin, wo er immer sein wollte: Mach’s gut, Craig Thompson!

[Zur Rezension diente die Englische Originalausgabe.]

 

Craig Thompson
Mach’s gut, Chunky Rice
Reprodukt
ISBN 978-3-941343-07-2

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