Graphic Novel – Gipi, S.

Es ist unvermeidlich zwischen den Zeilen und Bildern einer Künstlerbiografie nicht bewußt oder unbewußt nach eben jenem Funken zu suchen, der den jeweiligen Künstler in seiner kreativen Einzigartigkeit auszeichnet. Das Besondere der autobiographic comics ist es nun, dass es die Künstler selber sind, die ihr Leben in Zeilen und Bilder fassen. Es ist dabei inzwischen fast schon zu einer Konvention geworden, die dabei entstehenden Spalten und Risse, die Widersprüche und Brüche im eigenen Leben nicht zu kitten, sondern sie für sich stehen zu lassen. Diese assoziative Herangehensweise ist eine besondere Stärke des zwischen Bild und Text changierenden Comics, bei der der Künstler zudem nicht an die legitimierende historische Strigenz des außenstehenden Biografen gebunden ist.

Als einer der namhaftesten Vertreter des italienischen Fumetto hat Gipi („Aufzeichnungen für eine Kriegsgeschichte“, „5 Songs“) schon oft unter Beweis gestellt, dass er das Medium in einer Art und Weise durchschaut und beherrscht, wie nur wenige andere: Bereits das in seinem typischen Aquarellstil gehaltene Cover, dem jede Konturlinie fehlt ist deswegen die Ankündigung eines Programms.

Auch wenn diese Linien im eigentlichen Comic wieder auftauchen und seinen typischen mit dünnen Linien stilisierten Figuren umreissen, so bleibt dennoch vieles im Ungefähren und Unklaren: Wieviel von der eigenen Biografie und der seines Vaters (eben jenem „S.“) steckt eigentlich in den Bildern? Die Anekdoten fließen ineinander und zeichnen schemenhafte Bilder eines Lebens zwischen dem Grauen des Zweiten Weltkriegs und dem langsamen Erblinden eines alten, (nicht zu Unrecht) stolzen Mannes, der unerwartet stirbt während sein Sohn damit beschäftigt ist Counterstrike zu spielen.

In Panoramen breitet sich dieses Leben aus und wie jedes autobiographic comic ist auch dieses eine Sinnsuche, obwohl dabei vor allem das Leben des Vaters im Mittelpunkt steht. Der Vergleich mit anderen Vertretern des Genres (etwa Alison Bechdels ebenfalls assoziativ um ihren Vater kreisendes „Fun Home“) liegt deshalb nahe und fällt doch nicht zu Ungunsten Gipis aus, dem es gelingt in seiner toskanischen Heimat und Familie, ebenso wie in seinen Bilder gleichermaßen Erschreckendes, wie Derbes und Schönes zu finden.

Dies sind die Elemente der Rahmengeschichte, die sich um einen gutgemeinten, aber beinahe katastrophal entgleisenden Bootsausflug drehen: Der Schrecken, Angst und schließlich die versöhnende Liebe zwischen Vater, Sohn und den anderen Familienmitgliedern bilden den Boden für die gemeinsame tragi-komische Erinnerung.

 

Gipi
S.
Reprodukt
ISBN 978-3-943143-11-9

Kategorien Blog | tagged , , , , , , , , | Bookmark permalink

Kommentare sind geschlossen.

  • Glossar
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Facebook
  • Kontakt
    Das wilde Dutzend Verlag
    Hagenauerstr. 2
    D-10435 Berlin
    fon: 030 28 88 31 99
  • Google+
  • Newsletter
    Monatliche News aus Berlin
    * indicates required
  • Adeles Salon
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Tagcloud