Graphic Novel – Darwyn Cooke, The Score

Parker ist cool. Er ist so cool, dass auf den ersten 10 Seiten kaum mehr als drei Worte fallen: „Ground floor, Sir?“. Dann liegt bereits der erste Tote zu Parkers Füßen und auch wenn er den Mord bedauert, verliert er dennoch keine falschen Tränen darüber. Er bedient sich an dem Geld und den Zigaretten des Toten und mit einer Kippe zwischen den Lippen verschwindet er wieder in der Nacht. Parker ist cool.

Genau deswegen soll Parker für den zwielichtigen Edgars einen großen Coup planen und durchführen: Ziel ist es nicht weniger als eine ganze Minenstadt systematisch auszurauben, inklusive ihrer Bank und des Lohnkoffers der Minengesellschaft. Dafür benötigt Parker allerdings Unterstützung und hier beginnt das Problem: Nicht jeder kann so cool sein wie Parker. Und die Spannung für den Leser steigt: Parkers Plan ist perfekt, aber wer von seinen Komplizen ist das schwächste Glied in der Kette? Wer wird sie verraten? Und warum?

Selber kein Freund von Graphic-Novel-Adaptionen gibt es dennoch einige wenige Beispiele darunter, denen selbst ich ihre Existenzberechtigung nicht absprechen kann. Dazu gehören Darwyn Cookes Adaptionen der „Parker“-Krimis des amerikanischen Romanautoren Donald Westlake (die er unter dem Pseudonym Richard Stark verfaßte). Der Grund dafür liegt darin, dass Cooke die Quintessenz dessen was die „Parker“-Roman auszeichnet aus dem Stoff herausdestilliert und dieses in Szene setzt.

Dabei ist verbirgt sein minimalistischer, cartoonesker Stil gekonnt, welche Präzision und auch Komplexität sowohl in der Anlage, wie auch im Pacing der Geschichte liegt: Kein einziges Panel, kein Detail der Geschichte ist zufällig, jeder Strich ist genau plaziert um die Zigarettenrauch-geschwängerte 60er-Jahre-Atmosphäre wiederzugeben. Das dabei namhafte Comickünstler-Kollegen als Vorbilder für Parkers Truppe dienen ist dabei nur noch ein weiteres Schmankerl am Rande.

Man darf dabei von „The Score“ nicht erwarten, dass es in irgendeiner Art und Weise überrascht. Darwyn Cooke hat bereits mit den bereits vorherigen „Parker“-Adaptionen „The Hunter“ und „The Outfit“ (die man nicht gelesen haben muß, um „The Score“ zu verstehen) bewiesen, warum er gemeinsam mit Ed „Criminal“ Brubaker und David „Stray Bullets“ Lapham zu den Wiederentdeckern des Crime Comic gehört (seine anderen Verdienste hier aufzulisten, würde länger dauern). „The Score“ geht nicht darüber hinaus und ist ein weiteres Mal ein Musterbeispiel seines pointiert gesetzten Tuschestils, dem er nur mit einer einzigen Schattierung (diesmal ist Gelb an der Reihe) erstaunliche Tiefe verleiht.

Warum gelingt Darwyn Cooke also eine Adaption, wo viele andere Comickünstler scheitern? Banal ausgedrückt, weil sie mehr ist als die Summe ihrer Teile. Komplizierter gesprochen, muß man sich die Bestandteile genauer ansehen, um es zu verstehen: Alle Männerfiguren sind harte Kerle, alle Frauen verführerische Femmes fatales, die Action eine Behauptung, die Durchführung des Verbrechens logisch betrachtet eigentlich Unfug…
All das funktioniert dennoch, weil man es garnicht hinterfragen möchte. Die größte Trophäe eines Künstlers ist „suspension of disbelief“ und ganz lässig und cool – eben wie Parker es auch täte – gibt Darwyn Cooke dem Leser zu verstehen, dass diese schon lange bei ihm im Regal steht.

 

[Englische Ausgabe]

Darwyn Cooke
Richard Stark’s „Parker“ – The Score
IDW Publishing
ISBN 978-1613772089

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