Graphic Novel – Flix, Don Quijote

Don Quijote ist eine traurige Gestalt. Diese harschen Worte kommen bei Flix aus dem Mund seiner Tochter, einer alleinerziehenden Großstädterin, die kurzfristig für ihren wunderlich gewordenen Vater sorgen muß. Zuviel hat sich ereignet: Sein Kampf gegen den Windpark vor seinem Haus ist zur Obsession geworden, seine letzten Freunde sind gestorben und als er auch noch gewalttätig wird, bleibt nur der Weg ins Heim.

Doch der Weg dorthin führt eben über die Wohnung seiner Tochter, deren Sohn Robin seinen eigenen Spleen hat: Comic-begeistert und eher der Fantasie, als der tristen Realität des Gemobbt-Werdens zugeneigt, begeistert er sich (nach anfänglichen Schwierigkeiten) für die Visionen seines Großvaters und gemeinsam brechen sie aus den Verhältnissen aus: Auf die Suche nach der rettenden Heimat und der holden Dulcinea, einer längst gestorbenen Katze.

Während zwischenzeitlich mal fraglich war, ob Flix nicht doch lieber Cartoons à la Joscha Sauer („Nicht lustig„) machen wollte, hat er sich mit „Don Quijote“ wieder einem längeren Werk verschrieben (nach seinem „Faust“, die zweite Klassikeradaption). Dabei hat er seinen Stil auch verändert: Selten war Flix so düster, dichte Grau- und Schwarzflächen drängen sich immer wieder an die Hauptfigur heran, die sich in der dunklen Nacht ihres Lebens verirrt. Zugleich hat er die sonst von ihm bevorzugten dicken Randlinien durch nervöse Einzelstriche ersetzt. Insgesamt merkt man deutlich, dass sich Flix bei der Vorarbeit sicherlich intensiv mit dem franko-belgischen Comicgenie André Franquin („Gaston“, „Spirou“) auseinandergesetzt hat. Angesichts der Abgründe in Franquins Werk, sicherlich nicht das schlechteste Vorbild. (Auch anderen Künstlern wie Picasso oder Randall Munroe wird im Vorübergehen Respekt gezollt.)

Dabei Cervantes Klassiker ist natürlich nur die Blaupause für die Geschichte, die Flix erzählt. Doch auch wenn Namen und einzelne Motive als Eckpunkte auftauchen, so geht es Flix doch um etwas anderes als die oberflächlichen Gegebenheiten einer Geschichte herunterzuleiern. Er extrahiert den Wahnsinn und die Verlorenheit einer aus der Zeit gefallenen Figur. Darin lag schon immer die heute noch aktuelle Tragik des Don Quijote und darum geht es Flix gerade in seiner Adaption.

Auch wenn der eine oder andere Witz nicht ganz sitzt oder manche Zeitreferenzen etwas arg gewollt daher kommen (letzteres scheint geradezu so etwas wie ein Markenzeichen von Flix zu sein), so bleibt unter Flix‘ diesmal so nervösen Strich doch genau das übrig was die Tragödie auszeichnet: Die Trauer um den Sturz der Großen.

 

Flix
Don Quijote
Carlsen Verlag
ISBN 978-3-551-78375-2

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