Graphic Novel – Jeff Lemire, The Underwater Welder

Jack Joseph ist in die Fußspuren seines Vaters getreten: Der Vater, ein Taucher und alkoholkranker Schatzsucher, träumte bis zu dem Tag an dem er ertrank davon, dass er eines Tages noch den einen großen Schatz finden würde. Joseph, ein UW-Schweißer (wie es im Deutschen heißt) arbeitet an einer Ölplattform und nutzt jede Gelegenheit von seiner schwangeren Freundin loszukommen und zu tauchen.

Doch im Wasser bleiben keine Spuren zurück und es ist eine vor langer Zeit von seinem Vater gefundene Uhr, die Jack aus der Bahn wirft. Er verliert nur kurz unter Wasser das Bewußtsein, doch auch wenn er rechtzeitig wieder an die Oberfläche kommt, sein Geist driftet ab und Jack muß einen Kurs über den Ozean der eigenen Erinnerung finden.

Jacks Geschichte schwankt dabei ständig zwischen der Gegenwart, der Vergangenheit und dem Fantastischen; in dem Fall von „The Underwater Welder“, einer unter dem Wasser begrabenen, in der Zeit stehen gebliebenen Welt. Dabei fügt sich nicht alles in Jeff Lemires neuer Graphic Novel nahtlos aneinander. An einigen Stellen sind deutlich die Schweißspuren zu erkennen, doch es ist Lemires Intelligenz als Erzähler zu verdanken, dass er seine eigenen Schwächen offenlegt und sie erzählerisch für sich nutzt. Die Unebenheiten und Ungereimtheiten der Motive geben ihr den Tonfall, den er anstrebt: Den eines Dramas eines einfachen Arbeiters am Rande der Gesellschaft, irgendwo am Rande von Kanada.

Gerade in diesen Facetten zeigt sich wiederum der Autor selber. Spätestens seit der mit Preisen überhäuften Trilogie „Essex County“ von 2009 hatte er sich auf der Landkarte des Comics verortet und sein anschließender Umzug zuerst zu Vertigo (mit „Sweet Tooth“) und schließlich zum US-amerikanischen Schwergewicht DC (mit „Animal Man“ und anderen) haben ihn fest im Comic-Markt etabliert. „The Underwater Welder“ stellt dabei eine Rückkehr zu den Themen und der Erzählweise von „Essex County“ dar: Kanada, das Leben einfacher Leute, das Drama ihrer Schicksalsschlägen.

Lemire hat es spätestens seit seiner Tätigkeit für DC wahrscheinlich gar nicht mehr nötig selber zu zeichnen. Dass er „The Underwater Welder“ dennoch in seinem sehr eigenen, manchmal etwas kruden Zeichenstil umgesetzt hat, ehrt ihn und rückt diese Graphic Novel noch näher an seine anderen Werke heran. Würde es nicht am und im Meer spielen, wäre der Untertitel „Essex County Band 4“ sicherlich nicht unpassend gewesen.

 

Jeff Lemire
The Underwater Welder
Top Shelf
ISBN 978-1-60309-074-2

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