Graphic Novel – Osamu Tezuka, Buddha

Mit „Buddha“ erscheint (endlich) vielleicht nicht nur eines der besten, aber mit Sicherheit eines der wichtigsten Manga des Altmeister Osamu Tezuka auf Deutsch. Wie kein zweiter prägte Tezuka die nach dem Zweiten Weltkrieg entstehende Manga-, und damit die gesamte Pop-Kultur Japans. Das der als Workaholic geltende Tezuka sich für dieses eine, in Deutschland in 10 Bänden erscheinende Werk 10 Jahre Zeit genommen hatte, zeigt noch heute welche Bedeutung er ihm eingeräumt hat.

„Buddha“ erzählt die Geschichte Siddharta Gautamas anhand der klassischen Quellen. Soweit gibt es nur wenig, was Tezukas Version von den klassischen buddhistischen Schriften unterscheidet. Anstatt diesen Inhalt hier wiederzugeben, verweise ich besser auf die Wikipedia.

Tezukas Meisterschaft liegt darin, wo und wie er von dieser Geschichte abweicht und das tut er erstaunlich oft. So spielt Siddharta im ersten Band quasi keine Rolle. Zwar werden die mythischen Umstände seiner Geburt erzählt, doch die Helden der Geschichte sind der Brahmane Naradata, der Sklave Chapra und der junge Paria Tatta.
Naradata, dem von seinem Meister aufgetragen wurde den zukünftigen Buddha zu suchen, hält Tatta für diesen. Tatta wiederum kämpft an der Seite von Chapra, der alles daran setzt alles daran seiner Sklavenherkunft zu entkommen. Ebenso Chapras Ehrgeiz, wie auch Naradatas blinder Antrieb führen sie in die Katastrophe und der loyale, wie gutmütige Tatta trägt für den Rest seines Lebens seelische Narben davon.

Wie in keinem anderen von Tezukas Werken verbinden sich dabei seine Fähigkeiten von Geschichten für Jugendliche (wofür hier einmal sein bekanntestes Werk „Astro Boy“ herhalten soll), mit seinem Wunsch nach reifen, Erwachsenen ansprechenden Geschichten (wofür Tezukas düsteres Spätwerk steht). Action, Spannung, Intrigen, dynamische Kampfszenen akzentuieren die ruhigen, kontemplativen und spirituellen Passagen. Auch der typische Tezuka-artige karikaturhafte Humor kommt nicht zu kurz, wenn etwa einem Brahmanen bei seinem Sermon eine Zigarettenschachtel aus dem Ärmel fällt und er diese anschließend verschämt wieder einsammeln muß.

Dabei sind es aber vor allem die Charaktere und Figuren, die die Geschichte so lesenswert machen: Selbst die Bösewichte sind in ihren Grundzügen immer nachvollziehbar und seine Hauptfiguren sind zutiefst menschlich in ihren Wünschen und Bestrebungen. Dasselbe gilt vor allem auch für Siddharta selber, der keine abgehobene Heiligenfigur ist, sondern in seinem Streben nach Erleuchtung immer wieder unsicher ist. Es ist sein starker Wille und seine tiefer humanistischer Wunsch nach sprituellen Frieden, den Tezuka uns als ehrfurchtgebietend nahelegt.
Die zahlreichen Nebenfiguren mit all ihren Geschichten fügen um Siddharta herum jeweils eine weitere Schicht zu dem Leben Buddhas und seiner Lehre hinzu, die sich zu dem Gesamtwerk „Buddha“ zusammenfügen.

Auch wenn Tezukas Stil inzwischen als altmodisch und deswegen gewöhnungsbedürftig gelten kann, so verstecken sich in seinen gebrochenen Layouts viele versteckte Innovationen, von Kamerafahrten über Licht-und-Schatten-Spiele bis hin zu rein abstrakte Arrangements. In seinem Wunsch „Buddha“ zu dem zu machen, was es ist, hat Tezuka sich die Mühe gegeben, jedes Elemente seiner jahrezehntelangen Beschäftigung mit der Form Manga so perfekt wie möglich darin zu integrieren. Nichts weniger als das hat Tezuka für sein Werk über Siddharta für nötig erachte.

Für den Buddha hat Tezuka nur ein Meisterwerk für gut genug erachtet.

 

Osamu Tezuka
Buddha
Carlsen Verlag
Band 1: ISBN 978-3-551-76631-1
Band 2: ISBN 978-3-551-76632-8
[weitere Bände folgen]

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