Graphic Novel – Mat Johnson & Andrea Mutti, Right State

Ted Akers ist eine TV-Persönlichkeit wie sie nur in den USA existieren kann: Ein Stichwortgeber, berühmt alleine dafür im Fernsehen als Gesprächspartner und Kommentator aufzutauchen, mit einer harten, unnachgiebigen Haltung, die trotzdem als „Independant“ durchgeht. Das diese Haltung in Wahrheit stramm rechts außen ist, daran läßt „Right State“ keinen Zweifel.

Als der Secret Service Agent Asif Akers anheuert, um einen anderen, ehemaligen Secret Service-Agent zu jagen, ist Akers Grund zuerast abzusagen zu wollen vor allem Asifs arabische Herkunft. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt ist er im Bann von Ezekiel Dutton, jenem Secret Service-Agent der eine paramilitärische Gruppe beobachten sollte, nur um sie selber schließlich anzuführen. So nimmt Akers den Auftrag an und während Asif sich darum sorgt, dass der Präsident eine Wahlkampfrede halten kann, dringt Akers in Duttons Herz der Finsternis vor.

Das Conrads „Herz der Finsternis“, beziehungsweise Francis Ford Coppolas Filmversion „Apocalypse Now“ zu den Vorlagen von „Right State“ gehört, liegt auf der Hand: Die Geschichte führt in die Untiefen der amerikanischen Politik, dorthin wo Rassismus, radikales Christentum, rechte Paranoia und Waffen eine unheilige Allianz eingehen. Akers muß feststellen, dass er selber ein Baustein dieses Gedankengebäudes ist, so sehr er es sich auch in seiner Rolle als rein verbaler Scharfmacher bisher gemütlich gemacht hatte.

So lobenswert der Versuch ist aktuelle Politik in einem Near-Future-Szenario (die Graphic Novel spielt 2020) in Szene zu setzen, so muß man allerdings durchaus einiges an grundsätzlichem Verständnis von amerikanischer Politik mitbringen, um die Geschichte in ihren Dimensionen zu erfassen. Die Bedeutung der „Militias“ in der amerikanischen Geschichte erschließt sich dabei noch aus dem Kontext. Dass eine Vizepräsidentschaftskandidatin als „zweite Sarah Palin“ bezeichnet wird, versteht sicherlich auch der europäische Leser noch; dass der Ehemann dieser Kandidatin allerdings Verbindungen zu paramilitärischen Gruppen hat, so wie auch Sarah Palins Ehemann, ist sicherlich ein Detail, worüber sich nicht jeder im Klaren sein dürfte.

Verständnis, wie auch Interesse an amerikanischer Politik sind dabei wichtig, um „Right State“ zu erfassen. Denn die Mat Johnsons („Incognegro“, „Pym“) Geschichte ist ein durchaus solider Politthriller, der sich nicht übermäßig ambitioniert aus dem Repertoire der Geheimdienst-/Verschwörungs-/Thriller-Romane und -Filme bedient. Ebenso sind die Zeichnungen des italienischen Künstlers Andrea Mutti („Hellblazer“, „SAS“) gehobenes Mainstream-Niveau: Niemals überraschend, aber immer solides Handwerks wie man es von DCs Vertigo-Reihe erwarten darf.

Wie „Right State“ die Zusammenhänge zwischen Scharfmacherei in den Medien und tatsächlicher Gewalt aufgreift ist sicherlich interessant. Das die Graphic Novel aber leider selten darüber hinauskommt, liegt nicht zuletzt an ihren Figuren. Während Akers noch relativ differenziert dargestellt wird, so bleibt sein Gegenspieler Dutton doch recht vage umrissen (auch wenn sein angebliches Charisma immer wieder thematisiert wird) und reicht eben gerade nicht an einen Colonel Kurtz heran. Deswegen jagt einem diese Geschichte keine Angst ein, wie es den besten Politthriller sonst durchaus gelingt. „Right State“ liest sich als ob es ein interessanter TV-Beitrag wäre, den man mit gewissem Interesse, aber ohne große Begeisterung folgt. Vielleicht liegt das an unserer Perspektive, vielleicht aber auch daran, dass Ted Akers‘ Fernsehtätigkeiten niemals besonders aufregend waren.

 

Mat Johnson & Andrea Mutti
Right State
DC/Vertigo
ISBN 978-1-4012-2943-6

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