Graphic Novel – Naoki Urasawa mit Takashi Nagasaki, Billy Bat

Kevin Yamagata ist Comic-Zeichner. Nein, kein Manga-Zeichner, sondern Comic-Zeichner! Er ist Autor und Zeichner des äußerst erfolgreichen, amerikanischen Comics „Billy Bat“, das 1949 erscheint. Die Hauptfigur von „Billy Bat“ ist eine Fledermaus gleichen Namens, ein archetypischer Privatdetektiv, der mit sarkastischem Humor seine durchsichtigen Aufträge durchzustehen versucht. Kevin steht mit seiner Schöpfung „Billy Bat“ vor dem ganz großen Durchbruch.

Doch seine Arbeit und sein Leben gerät mächtig aus den Fugen, als ihm ein Kriegsheimkehrer vorwirft, dass „Billy Bat“ von einem japanischen Manga gestohlen sei. Kevin, der nach dem Krieg als Dolmetscher selber in Japan war, ist dadurch verunsichert und reist nach Japan, um sich selber auf die Suche nach diesem Manga zu machen. Dort angekommen weist ihn ein ehemaliger Kollege bei der amerikanischen Besatzungsmacht nicht nur auf ein historisches Dokument mit einer „Billy Bat“-artigen Figur hin, sondern sieht auch gleich seine Chance gekommen den künstlerisch in die Ecke gedrängten Kevin zu erpressen.

Doch dann ist sein Kollege plötzlich tot, Kevin wird des Mordes beschuldigt, die Yakuza mischt sich ein, während politische Morde das Nachkriegsjapan erschüttern und angeblich steht das alles in einem „Billy Bat“-Manga, dass sich nun ausgerechnet in Kevins Besitz befindet…

Kenner von Naoki Urasawas bereits in Deutschland erschienen „Monster“ (bei Egmont/Ehapa) und „20th Century Boys“ (bei Panini) werden Urasawas Handschrift sofort wiedererkennen: Verschwörungen, undurchschaubare Rätsel, Mord, Verbrechen und ein Held, der hilflos versucht sich auf all das einen Reim zu machen. Wie viele kommerziell erfolgreiche japanische Mangaka bleibt sich Urasawa seinem Stil dabei sowohl inhaltlich, wie auch gestalterisch treu. Dazu gehört auch das hohe Tempo, ebenso wie die Präzision der Figuren und insgesamt Urasawas hohes Niveau, das er sich über fast alle seiner Werke erhalten hat.

Mit gekonntem Strich erweckt er dabei das historische Japan der Nachkriegszeit zum Leben und baut wieder einmal mit Vorliebe reale Ereignisse und Personen in die Geschichte ein, die sich deswegen nicht nur als spannende Unterhaltung, sondern eben immer auch als Kommentar zu Zeit und Geschichte lesen läßt.

Dabei gehen Urasawa und sein Co-Szenarist Takashi Nagasaki allerdings mit „Billy Bat“ über die vorherigen Werke hinaus, indem sie sich den Kunstgriff erlauben einen Manga im Manga zu erzählen, in dem verschiedene Ebenen der Fiktion miteinander zu kollidieren und sich gegenseitig zu bedingen scheinen. Dies aufzulösen, ist letztendlich sowohl Teil der Fiktion, wie auch der Metafiktion und zugleich Grund für die Macher das Medium an sich zu reflektieren.

Die Serie ist in Japan mit bisher 9 erschienen Bänden noch nicht abgeschlossen. Nun liegt der erste auf Deutsch vor und die restlichen will Carlsen im Zwei-Monats-Rhytmus herausbringen, was für jeden Fan eines guten Thrillers, wie es „Billy Bat“ im Kern dann doch ist, natürlich viel zu langsam ist!

 

Naoki Urasawa mit Takashi Nagasaki
Billy Bat
Carlsen Manga
ISBN 978-3-551-73271-2

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