Grimms Märchen: Von Lesewut und Lesesucht

Die Brüder Grimm und das Lesen zu ihrer Zeit. Teil 13 unseres Märchen-Countdowns, der noch bis zum 20.12.2012 jeden Tag ein Türchen ins Universum der Brüder, ihrer Märchen sowie der Zeit um 1800 öffnet. Und mit ein bisschen Glück gibt es am 20.12. sogar ein Geschenk mit Geschichte…

„Lesesucht, die Sucht, d.h. die unmäßige, ungeregelte auf Kosten anderer nöthiger Beschäftigungen befriedigte Begierde zu lesen, sich durch Bücherlesen zu vergnügen“, so definierte Johann Heinrich Campe das Phänomen der Lesesucht im Jahre 1809 in seinem Wörterbuch. Schuld sind die aufkommenden Romane, die Belletristik, die rein dem Vergnügen dient.

Ihr Frauen…

Wilhelmine_Haertel_Bürgerliches_Kochbuch, 1880„… ihr seid vielmehr erschaffen — o vernimm diesen ehrwürdigen Beruf mit dankbarer Freude über die große Würde desselben! — um beglückende Gattinnen, bildende Mütter und weise Vorsteherinnen des inneren Hauswesens zu werden …“ – Campe: Väterlicher Rath[19]

Schreibende Frauen wie die Naubert, aber auch Sophie de La Roche, die Großmutter von Bettine von Arnim oder Caroline de la Motte-Fouqué und später Annette von Droste-Hülshoff oder Bettina von Arnim selbst sind suspekt und haben einen schweren Stand. Bereits das Lesen an sich, wird als schädliche Beschäftigung betrachtet.

Karl G. Bauer 1787 in „Über die Mittel dem Geschlechtstrieb eine unschädliche Richtung zu geben“:
die „erzwungene Lage und der Mangel aller körperlichen Bewegung beym Lesen, in Verbindung mit der so gewaltsamen Abwechslung von Vorstellungen und Empfindungen […]“ rufe „Schlaffheit, Verschleimung, Blähungen und Verstopfung in den Eingeweiden, mit einem Worte Hypochondrie, die bekanntermaaßen bey beyden, namentlich bey dem weiblichen Geschlecht, recht eigentlich auf die Geschlechtstheile wirkt, Stockungen und Verderbnis im Bluthe, reitzende Schärfen und Abspannung im Nervensysteme, Siechheit und Weichlichkeit im ganzen Körper“ hervor.[20]

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