Graphic Novel – Moro Rogers, City in the Desert

Es gibt nur wenige amerikanische Comic-Verlage, die sich eher der europäischen Tradition des Comic-Erzählens verpflichtet fühlen: In dieser Tradition, die eher von „Tintin“ als von „Superman“ geprägt ist, drehen sich die Geschichten meistens eher um das Entdecken und Lösen von Geheimnissen, als um den kraftprotzende Stärkebeweis und die Durchsetzung moralischer Selbstjustiz.
Einer dieser anderen Verlage ist Archaia Entertainment, dessen Programm weniger künstlerisch anspruchsvoll, als eben in europäischer Tradition erzählend ist.

„City in the Desert“ reiht sich nahtlos in dessen Programm ein: Der erste Band einer neu beginnenden Reihe um den Monsterjäger Irro und seine Assistentin Hari. Sie verdienen ihr Geld mit dem Erlegen von Monstern, die das Umland der titelgebenden Wüstenstadt Kevala heimsuchen. Diese Monster sind eine Strafe des Schöpfergottes Iriaze für die Dreistigkeit des Menschen.

Doch für Irro und Hari ändert sich alles als der Sektenführer Darga in die Stadt kommt. Sein Ziel ist nicht weniger als die permanente Beseitigung des Monsterproblems, indem der heilige Brunnen der Stadt versiegelt wird. Alle sind für den Plan, nur Irro widersetzt sich. Doch er kann sich nicht durchsetzen, weil ihm die Einwohner der Stadt vorwerfen, dass er der einzige ist, der von dem Monsterproblem profitiert. Doch schnell zeigen sich auch die Nebenwirkungen von Dargas Plan, dem langsam die ganze Stadt zum Opfer fällt…

Der einleitende Abschnitt über Archaias Programm ist notwendig, um „City in the Desert“ einzuordnen: Es geht in diesem ersten Band weniger um das Überwinden eines Feindes (der aber natürlich dennoch vorhanden ist), als dass hier eine Welt ausgebreitet wird, deren Regeln der Schlüssel zum Verständnis der Geschichte sind. Irro und Hari sind, zusammen mit dem Leser, „Regel-Entdecker“, wie es eben auch Tintin oder „Valérian und Véronique“ sind. Natürlich darf da eine große Verschwörung dennoch nicht fehlen…

Die Umsetzung ist dabei mit fließenden Tuschestrichen und stark reduzierter Schattierung an Animationsfilmen orientiert und weit entfernt vom Idealismus amerikanischer Superheldencomics. Moro Rogers‘ Stil ist dabei unaufdringlich und pragmatisch, selten effektheischend, aber pointiert in der Mimik und Gestik der Figuren.

„City in the Desert“ ist ein vielversprechendes Debüt und ein guter Beginn für eine Fantasy-Serie, die noch ganz am Anfang steht. Worauf sie hinausführt ist nicht abzusehen, aber der Verlag bei dem sie verlegt wird, gibt zumindest Hinweise auf die Richtung, die zu erwarten ist…

 

Moro Rogers
City in the Desert
Archaia Entertainment
ISBN 978-1-936393-55-8

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