Graphic Novel – Alessandro Barbucci & Barbara Canepa, Sky Doll

Während in Deutschland „Sky Doll“ inzwischen vergriffen ist, erschien in Frankreich gerade die Gesamtausgabe der bisher vorliegenden drei Bände. Nicht zuletzt als Vorbereitung für die in dieser Gesamtausgabe angekündigten Folgealben. Damit setzt sich eine der erfolgreichsten Comic-Serien der vergangenen 10 Jahre fort und deswegen hier ein kurzer Rückblick auf das Comic und Phänomen „Sky Doll“…

sky_doll_smallNoa ist eine Sky Doll, ein Roboter, der jenen Sex ausstrahlen darf, der auf dem sonst so gläubigen Planeten Papatea verpönt ist. Sie arbeitet im „Heaven Spaceship Wash“ bis sie sich auf dem Raumschiff der Missionare Jahu und Roy einschleicht. Diese befinden sich auf einer Mission für die machthungrigen Päpstin Ludovique, die wünscht, dass auch die letzten Anhänger und Allierten ihrer ermordeten Schwester Agape vernichtet werden. Auf der Reise zum Planeten Aqua muß Noa feststellen, dass sie eine besondere Rolle in diesem gerade neu erwachenden Konflikt einnehmen wird.

Die Macher von „Sky Doll“, die in Frankreich arbeitenden Italiener Alessandro Barbucci und Barbara Canepa, sind beide gleichermaßen Zeichner, wie auch Autoren der Serie. Aus dem inzwischen längst geschlossenen Pariser Disney-Studio stammend, legte sie mit „Sky Doll“ ein Comic vor, dass reißenden Absatz fand. Nicht zuletzt, weil die Mischung der Geschichte aus Sex, Religion, Glaube, Palastintrige und Revolution den Leser geradezu überwältigt. In den Bildern mischen sich virtuos Cyberpunk und Barock, Pop-Art und digitale Malerei, um das freudianisch wertvolle Szenario in Szene zu setzen.

Sigmund Freud hätte sicherlich seine Freude an „Sky Doll“ gehabt. Es wäre interessant gewesen, was er bei den beiden Machern diagnostiziert hätte. Andererseits kann man sicherlich nicht behaupten, dass sie ihre Methoden und Intentionen verbergen würden: Es ist schwierig eine Seite zu finden, auf der keine entblößte Brust oder ein Phallussymbol zu finden ist.

Nicht zuletzt die Stärke der Zeichnungen und der Farbgebung sind es dabei die „Sky Doll“ zusammenhalten. Dort wo die Überfülle der Figuren und Szenerien dem Barock huldigen, ist es vor allem die kongeniale und selten beachtete Farbgebung, die Ordnung schafft. Die digital aufgetragenen Pasteltöne, vor allem im violetten Farbspektrum, geben den Figuren Volumen und „Fleischigkeit“, die alles entsprechend sinnlich akzentuieren.

Dabei gehen Barbucci und Canepa mit ihren Mitteln offensiv um. Sie nutzen clever ihre Sci-Fi-Welt, um die Sexualisierung der Frauen als Konvention zu etablieren. Dadurch kann sie auch als Kommentar der medialen Darstellung von Frauenkörpern in unserer Gesellschaft gelesen werden. Oder sich an den omnipräsenten Brüsten erfreuen. „Sky Doll“ legt sich da nicht fest. Deswegen stellt sich gar nicht die Frage, ob „Sky Doll“ erotisch, pornös oder pornographisch ist; es ist alles gleichermaßen und entsprechend für alle Gruppen, die für eine dieser Kriterien empfänglich sind, konsumierbar. [Und anstößig für alle anderen.]

Man kann deswegen den Machern von „W.I.T.C.H.“ und „Monster Allergy“ unterstellen, dass die von ihnen gefundene Kombination von Sex, Glauben und Kommerz als Schmiermittel zwischen beidem kein Zufallsprodukt ist. Genauso wie der kalkulierte Erfolg von „W.I.T.C.H.“ und „Monster Allergy“ ein Zufall gewesen wäre. Weder offenbaren sich hier unbewusste Gelüste, noch wird schamhaft etwas versteckt oder mit einem intellektuellen Feigenblatt bemäntelt. Mit dieser tendenziellen Selbstreflexion erhebt sich „Sky Doll“ bereits über den Durchschnitt, vor allem im Vergleich zu dem, was sich sonst so im „Sexy Girl“-Bereich tummelt.

Das ist der Kniff, der es ihm ermöglicht seine Heldin Noa gleichermaßen als Sexroboter, wie auch als jungfräuliche Erlöserin zu inszenieren. Gleichermaßen ist sie verfolgte Unschuld, wie auch eigenständige Akteurin der Handlung. Anders ausgedrückt bemühen sich Barbucci und Caneppa „Sky Doll“ um so etwas wie die Dialektik des Pornos: „You can have your cake and eat it!
Er sieht auch verdammt appetitanregend aus…

 

[Die Deutsche Ausgabe ist derzeit vergriffen]
Alessandro Barbucci und Barbara Canepa
Sky Doll
Carlsen Verlag

[Die Französische Gesamtausgabe ist neu erschienen]
Soleil Editions
ISBN 978-2-30201-489-3

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