Graphic Novel – Kaoru Mori, Young Bride’s Story

Es war einmal in Zentralasien im 19ten Jahrhundert…
Mit 20 Jahren ist Amir schon fast zu alt um eine gute Partie zu machen, dennoch wird ihr eine Ehe mit dem zukünftigen Oberhaupt der Familie Eihon vermittelt, dem erst 12jährigen Karluk. Bei ihrer ersten Begegnung – als sie bei der Familie ihres Bräutigams einzieht – kann sie kaum ihre Überraschung über seine Jugend verbergen. Doch sie ist pragmatisch: Obwohl Karluk so jung ist, ist er eine gute Partie und – wie sich schnell herausstellt – liebenswürdig, wenn auch noch sehr unerfahren. Ein Junge, der kaum die Pubertät erreicht hat und der mit einer erwachsenen jungen Frau wie Amir kaum etwas anzufangen weiß.

Für Amir bedeutet dies, dass sie sich vieles erlauben kann, was kaum einer jungen Verheirateten sonst erlaubt wäre. Sie geht ihrer Leidenschaft, dem Bogenschießen und Jagen nach, sie kann Karluk begleiten, wenn er ausreitet. Ihre Nonchalance und ihre zupackende Art nimmt ihre neue Familie dabei durchaus für sie ein.

Doch Amirs Jugend wird zu einem unerwarteten Problem: Solange Amir keine Kinder von ihm hat, gilt sie in der Tradition noch als Mitglieder ihrer Herkunftsfamilie. Als diese aus politischen Gründen Amir zurückfordert, ist die zaghafte Annäherung Karluks an seine resolute, so viel erwachsenere Frau eine Gefahr für ihre gemeinsame Zukunft. Obwohl Amir keinen Zweifel daran läßt, dass sie inzwischen etwas für ihn empfindet, mehr als einen schüchternen Kuss kann sie von ihm nicht erwarten…

young_brides_storyEs wäre gelogen Kaoru Moris Manga „Otoyomegatari“ („Young Bride’s Story“) auf die Liebesgeschichte zwischen Amir und Karluk zu reduzieren. Auch wenn sie der Kern der Geschichte ist, so kreisen um sie herum so viele Einzelteile, Elemente und Figuren, dass die Zeichnerin und Autorin die Abschweifung zum Prinzip erhebt. Ihre empathische, sehr langsame Erzählweise hat Mori bereits mit ihrem vorherigen Erfolg, der viktorianischen Romanze „Emma„, etabliert. In ihrer neuen Serie schwelgt sie darin. Ihr Blick fürs Detail gilt hierbei vor allem der Kunst und der Kultur der zentralasiatischen Regionen irgendwo zwischen der Mongolei und dem Kaukasus. Dies gesteht sie auch in den Anmerkungen zu Band 1 offen ein.

Ihre Leidenschaft für diese findet sich in jedem Bild wieder: Der Aufwand der in die Ausgestaltung von Stoffmustern, Schnitzereien und Schmuck gefloßen ist, ist atemberaubend. Die Bilder schwelgen in Details und Mori huldigt dem an ein weibliches Publikum gerichteten Shojo-Manga indem sie souverän mit dem Layout umgeht. In Action-reichen Passagen ziehen sich die Bilder zusammen, bilden ein dichtes Muster aus eng beieinander liegenden Panels, nur um in anderen Momenten wieder aufzuziehen, Panoramen zu etablieren oder ganze Seiten zu Collagen aus Details, Gesichtern und Mustern macht, die – im Gegensatz zu ihren kommerzielleren Kollegen – hier nicht der Romantik, sondern der Handwerkskunst huldigen. Moris Timing ist dabei sowohl im Verlauf der Geschichte, wie auch in deren Präsentation ungewöhnlich.
(Leider kann man nicht verhehlen, dass die Entscheidung des deutschen Verlegers Tokyopop die Serie in das Standard-Taschenbuch-Format zu zwingen, leider qualitative Abstriche bedeutet.)

Dabei soll nicht der Eindruck entstehen, dass „Young Bride’s Story“ nicht seinem Genre verpflichtet wäre: Es handelt sich um ein astreines romantisches Shojo-Manga; die Geschichte einer jungen, ungewöhnlichen Liebe, die auf die Probe gestellt wird. Das Zentralasien – dass Mori clevererweise nie ganz genau verortet – hat nur soviel mit dem realen, historischen Zentralasien zu tun, wie es Mori dient, um ihre Geschichte zu erzählen.

Dass allerdings sowohl in Japan, wie auch in den USA und in Frankreich „Young Bride’s Story“ mit Preisen bedacht wurde, weist allerdings darauf hin, was die in einem fremden Land spielende, mäandernde Geschichte von Amir und Karluk so auszeichnet: Der Weg ist das Ziel.

 

Kaoru Mori
Young Bride’s Story
Tokyopop
Band 1: ISBN 978-3-8420-0229-6
Band 2: ISBN 978-3-8420-0230-2
Band 3: ISBN 978-3-8420-0462-7

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