Graphic Novel – Paul Pope, The One Trick-Rip Off

Paul Pope ist der Alternative Rock-Star der Comicwelt. Spätestens seit „Batman: Year 100“ war er auch im Mainstream angekommen, doch seine Herkunft liegt in den Indie-Comics der 90er. Vor allem im Umkreis jener Autoren, die damals die Verwendung von Tusche und harten Schwarz-Weiß-Kontrasten neu entdeckten. Jeff Smiths „Bone„, Colleen Dorans „A Distant Soil“ oder auch das etwas farbigere „Hellboy“ von Mike Mignola waren damals der Goldstandard.

Popes virtuoser, sehr fließender Tusche-Stil changierte damals schon zwischen verschiedenen Einflüßen. Deutlich kann man den damals noch revolutionären Einfluß des japanischen Manga herauslesen, der ihn möglicherweise auch zum Einsatz von Pinsel und Brush Pens geführt hat.

one_trick_rip_off_smallDoch die Ähnlichkeiten mit den 90er-Jahre-Pionieren endet nicht bei der Optik: Vielmehr zeichnet sich Pope auch durch starke inhaltliche Gemeinsamkeiten aus. Wie auch Doran, Smith oder Mignola bewegt sich Pope immer auf einer Grenze zwischen Mainstream und Independant: Der eigene Stil, der charakteristische Tonfall verändern bekannte Themen und Geschichten, die immer zugänglich und lesbar bleiben. Wie Mignola das Superhelden-Comic oder Doran Sci-Fi für sich neu lokalisieren, so sucht sich Pope eine Welt der Drifter und Grifter, meist jugendlicher Außenseiter, die am Rande der Gesellschaft zwischen Sex, Geld, Selbstbehauptung, Verbrechen und Weltekel ihren Weg suchen.

Nicht nur die Einführung des vorliegenden Bandes vergleicht Pope dabei mit einem Rockstar (bezeichnenderweise dem in den 90ern aufstrebenden Nick Cave): Man kann es kaum vermeiden zu fragen, welcher Soundtrack das Leben seiner Helden bestimmt und mit Sicherheit landet man irgendwo bei Soundgarden, Pearl Jam, Rage against the Machine und dem einen oder anderen zuckersüßen J-Pop-Ohrwurm dazwischen. Die Musik ist gleichermaßen rauh und direkt, wie die Welt um sie herum und Pope ist in „The One Trick Rip-Off“ gleichermaßen ihr Chronist, wie auch einer ihrer Akteure.

Denn „The One Trick Rip-Off“ ist eine Compilation: Einige der ersten „Studioaufnahmen“ des jungen Künstlers zwischen 1993 und 2001 sind hier versammelt und die lange Vorrede bis hierher soll einen Eindruck vermitteln, was die doch sehr unterschiedlichen, in dem Band versammelten Geschichten verbindet.

Die Titelgeschichte ist dabei das längste zusammenhängende Segment und ist im Kern eine klassische Gaunergeschichte im Gang-Milieu. Darauf folgen einige von Popes „Deep Cuts“, sehr kurze Vignetten, die man vielleicht am besten als grafische Poesie bezeichnen kann. „Supertrouble“ zeichnete Pope für den japanischen Manga-Giganten Kodansha. Mit Manga hat es aber nur insofern etwas damit gemeinsam als das es eine gleichermaßen action-reiche, wie inhaltlich recht sinnfreie Tour-de-Force darstellt. Schließlich folgt zum Abschluß des Bandes noch eine weitere Runde „Deep Cuts“ in denen wieder deutlicher der typische Pope-„Klang“ hervorkommt: Clubs, Teenager, Musik, Verbrechen, der Dreck der Straße…

Der Band „The One Trick Rip-Off“ versammelt also sehr unterschiedliche Comics auf Popes frühem Werk, in dem man teilweise auch seine Entwicklung beobachten kann, die allerdings aufgrund der Auslassung seiner anderen, längeren Werke aus jener Zeit (etwa „San Titulo“ oder auch „THB“) unvollständig bleiben muß. Deswegen ist der Band vor allem für Popes Anhänger, aber auch für Fans des dreckigen, noch unfertigen Rock von der Straße zu empfehlen.

 

Paul Pope
The One Trick Rip-Off
Image Comics
ISBN 978-1-60706-718-4

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