Graphic Novel – Alan Moore & Kevin O’Neill, Nemo – Heart of Ice

Charles Foster Kane ist gedemütigt. Nachdem sein Gast, die sagenumwobene Königin von Kor, bei ihrer Ankunft in New York beraubt wurde, setzt der Zeitungsmagnat und reichste Mann der Welt alles daran um die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen und die gestohlenen Kunstschätze zurückzuholen. Dafür heuert er die Science-Heroes Wright, Reade and Swyfte an. Sie sollen niemand anderen als Kapitän Nemo für ihn fangen.

nemo_smallDieser Kapitän ist allerdings bereits die zweite in ihrer Linie: Janni Dakkar steht im Schatten ihres alles überschattenden Vaters und um sich daraus zu lösen, bricht sie – kurz nach dem Überfall auf Kanes Depots – zu einer Reise in die Antarktis auf. Dort will sie die Antarktis-Expedition ihres Vaters nachvollziehen und sich einen eigenen Namen damit machen. Doch ihre Expedition wird zu einem blutigen Rennen, nachdem Reade, Wright und Swyfte alles daran setzen, um Janni und ihre Gefährten in den antarktischen Einöden zu überwältigen. Verfolgt und dezimiert und nur noch mit ein paar Hundeschlitten ausgestattet, müssen die Überlebenden um Janni Dakkar sich durch mit bizarren, jenseitige Landschaft der Antarktis kämpfen.

Alan Moores weibliche Version von Kapitän Nemo entstammt seiner Serie „The League of Extraordinary Gentlemen“ und obwohl der Name im Titel nicht auftaucht, gehört „Nemo – Heart of Ice“ fest zu dieser Serie. Wie auch sein Kollaborateur Kevin O’Neill finden sich alle Elemente der Zusammenarbeit in der Serie wieder. O’Neills unnachahmlicher Zeichenstil aus kantigen, dünnen und kurzen Tuschestrichen tun wieder ihr Bestes eine launisch-atmosphärische Welt zu schaffen, deren flächige Farbgebung nicht nur für Übersichtlichkeit, sondern auch für die nostalgische Erinnerung an längst obsolete Farbdruckprozesse sorgt.

Doch genauso wie die Zeichnungen ihren Teil dazu tun, um dieses Spin-Off fest im Kosmos der „League of Extraordinary Gentlemen“ zu verankern, so tut dies natürlich auch die Geschichte. Und dabei ist wieder einmal festzustellen, dass die Serie in den letzten Jahren gleichermaßen das Beste, wie auch das Schlechteste in Alan Moores Schaffen hervorholt.

Auch „Nemo“ ist bis zum Rand mit Zitaten gefüllt: Kaum eine Figur, kaum eine Lokalität entstammt nicht Moores enzyklopädischem Wissen über (Pulp-)Literatur. Orson Welles („Citizen Kane“), Edgar Allen Poe („Arthur Gordon Pym“), Jules Verne („Reise zum Mittelpunkt der Erde“) und mal wieder H.P. Lovecraft („Die Berge des Wahnsinns“) finden Eingang in diesen Band, um nur einmal die bekanntesten zu nennen. Dabei wird die Reise der Janni Dakkar allerdings schnell zu einem Road-Movie der Hommagen, Versatzstücke und des Name-Checking. Auf der letzten Station der Reise kann sich Moore nur noch mit unzähligen Dialogerklärungen und Textkästen behelfen, damit die Geschichte für Uneingeweihte noch halbwegs verständlich bleibt.

Ich kann es nicht anders ausdrücken, als dass es ausgesprochen schade ist, dass der Autor solcher Meisterwerke wie „V for Vendetta“ und „Watchmen“ sich in den letzten Jahren darauf beschränkt sich ausschließlich mit den Werken anderer Autoren zu befassen: Der große Rockstar der Comic-Welt veröffentlicht seit Jahren ausschließlich Remixes.

 

Alan Moore & Kevin O’Neill
Nemo – Heart of Ice
Top Shelf/Knockabout
ISBN 978-0-86166-183-1

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