Graphic Novel – Derek Kirk Kim, Tune

Es heißt die schlimmsten Kritiker seinen gescheiterter Künstler. Das ist falsch. Die schlimmsten Kritiker sind enttäuschte Fans. Eigentlich sollte es deswegen Fans grundsätzlich verboten sein Rezensionen zu schreiben, weil sie entweder in Lobeshymnen oder in Forderungen nach der Todesstrafe wegen Hochverrats enden. Wie gut, dass ich deswegen kein Fan von Derek Kirk Kim bin, aber wenn man sich vor Augen führt, dass er mit seinem Debut „Same difference and other stories“ (auf Deutsch „Ganz gleich“, erschienen bei Reprodukt), nicht nur den Eisner-, sondern auch den Harvey- und den Ignatz-Award, ebenso wie einen Xeric Grant gewonnen hat, dann kann man davon ausgehen, dass Derek Kirk Kim viele Fans hat.

Hier soll es aber nicht um Derek gehen, sondern um Andy, den Anti-Helden von „Tune“: tune_smallDer erfolgversprechende Illustrationsstudent gibt von einem Tag auf den nächsten sein Studium auf. Sehr zum Schrecken seiner asiatischen Eltern und vor allem zum Mißfallen seines Vaters, der niemals hinter seiner Zeitung hervorschaut, was ihn aber nicht davon abhält Andy bei der Jobsuche unter Druck zu setzen. Die Suche nach einem Job führt Andy schließlich zu einem merkwürdigen Pärchen, dass Angestellte für einen Zoo sucht und bevor sich Andy versieht, ist er im Zoo. Allerdings nicht so wie er sich das vorgestellt hatte, sondern als Zootier.

An sich wäre das alles kein Problem wäre da nicht seine Komilitonin Yumi, jene Yumi nach der sich Andy eigentlich schon seit Ewigkeiten in unglücklicher Liebe verzehrt. Gerade erst hatte er doch herausgefunden, dass Yumi ebenfalls heimlich in ihn verliebt ist, weil er – ungezogenerweise – in ihrem Zeichenbuch herumgeblättert hatte. Doch nun ist sie von einem Moment auf den nächsten in unerreichbarer Ferne…

Und damit müssen wir nun doch wieder über Derek reden: Erinnert sich noch jemand an die Handlung von „Same difference“? Nun, dann müßten einem die Illustrationstudenten, die heimlichen Lieben und die attraktiven Kommilitoninnen irgendwie bekannt vorkommen… Und leider bestätigt sich der Verdacht bei Lesen: 9 Jahre nach Erscheinen seines Debüts schafft es Derek Kirk Kim inhaltlich quasi nichts neu oder anders zu machen.

Zugegeben neu ist der Tonfall, denn „Tune“ ist Comedy: Zu diesem Inventar gehören merkwürdige Aliens, Paralleldimensionen, Videospielezitate und jede Menge Nerd-Humor à la „High Expectations Asian Father„. Doch auch auf die Gefahr hin, wie Andy Gos Mutter zu klingen: „Tune“ schwelgt derartig in der Sphäre des studentigen Nerd-Daseins, dass man weder seinen Autor und Zeichner auf 39 schätzen, noch für den Gewinner so ziemlich aller wichtiger US-Comicpreise halten würde.

Das heißt nicht, dass „Tune“ nicht seine Leserschaft finden wird: Es wird nämlich als Webcomic veröffentlicht und bietet sich damit natürlich einem Publikum an, dass seine Zeit sonst sicherlich mit „Penny Arcade“ und „Megatokyo“ verbringen würde. Für alle anderen besteht die Genugtuung, dass man erst einmal einen unverbindlichen Blick auf die (inzwischen von Les McClaine illustrierte) Serie werfen kann, ohne sich monetär zu verpflichten.

 

Derek Kirk Kim
Tune – Book 1, Vanishing Point
First Second
ISBN 978-1-59643-516-2

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