Graphic Novel – Jess Fink, We can fix it

Keine Rezension eines Pornocomics, aber man ist dabei im Falle von Jess Fink nie weit davon entfernt. Denn ihr bekanntestes Werk ist das überaus erfolgreiche Pornocomics „Chester 5000„. Zudem gehört sie auch zu einem Netzwerk an teils erotischen, teils pornografischen Comickünstlerin, aus deren Kreis etwa Sylvan Migdal („Curvy„), Erika Moen („DAR„) , Spike (Herausgeberin der NSFW-Anthologie „Smut Peddler“ und Schöpferin von „Templar, Arizona„) stammen, aber auch weniger eindeutig engagierte Künstler wie Kate Beaton („Hark, a Vagrant!„) oder Ryan North („Dinosaur Comics„) gehören.

Jess Fink ist also bestens vernetzt und entsprechend viel Aufmerksamkeit erhält deswegen auch ihr erstes auf rein klassischem Wege verlegtes Comic „We can fix it“, dem sich der für den nordamerikanischen Indiecomicmarkt so wichtige Verlag Top Shelf angenommen hat.

we_can_fix_it_smallDie Geschichte beginnt mit der ebenso abtrusen, wie putzigen Idee, dass Jess Fink ihr eigenes Leben mit einer Zeitmaschine bereist, um ihr vergangenes Ich vor all den peinliche Entscheidungen zu bewahren, die sie einmal bereuen wird. Doch bereits beim ersten Besuch eines vergangenen Ichs hat sie sich selber schon nicht mehr ganz im Griff: Sie landet mich sich selber im Bett. Doch bei Ihrer Suche nach all den sexy, peinlichen und fröhlichen Momenten in ihrem Leben muß sie feststellen, dass sie sich selber am meisten im Weg steht. Stur, starsinning und mit dem hormonellen Überschwang der Jugend ausgestattet, haben ihre verschiedenen jüngeren Ichs natürlich alles andere im Kopf als auf ihr ältere, abgeklärte Zukunft zu hören.

Die Geschichte an dieser Stelle weiter zusammenzufassen, wäre unnütz. Denn es gibt einfach keine. Denn im Kern ist „We can fix it“ das Beispiel für ein Comic einer Webcomic-Künstlerin, deren normaler, auf das Stripfromat ausgerichtetes Format sich einfach nicht in eine Langform übersetzen lassen will. Eine mehr oder weniger amüsante Episode reiht sich an die nächste mehr oder weniger amüsante Episode. Die Comicversion von Jess Fink springt dabei so oft in ihrem Leben vor und zurück, dass „We can fix it“ selbst als autobiographic comic nicht sehr viel hermacht. Es fällt schwer den Überblick über all den Zeitverlauf in ihrem Leben zu bewahren, was die Episoden noch „episodiger“ macht, als sie eh schon sind.

Ihr Cartoonstil macht es dabei nicht einfacher sich an dem jeweiligen Alter der Figuren zu orientieren. Was nicht heißen soll, dass „We can fix it“ schlecht aussehen würde. Im Gegenteil! Ihr Stil, der mit wenigen Strichen und Schattierungen auskommt, ist leichtfüßig und humorvoll und würde durchaus zu solch einer Art von Geschichte passen.

Dennoch, dass der Klappentext lobende Worte von Jess Finks Webcomickumpanen Kate Beaton und Ryan North aufweist, hat leider weniger mit der Qualität von „We can fix it“, sondern vielmehr mit Jess Finks‘ optimaler Vernetzung innerhalb ihrer Szene zu tun (siehe oben). An der Glückskeksmoral in der das Comic schließlich endet, kann es auf jeden Fall nicht liegen.

 

Jess Fink
We can fix it
Top Shelf Comics
ISBN 978-1-60309-065-0

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