Graphic Novel – Jason Brubaker, reMIND

Eines Tages verschwindet Victuals, die Katze der Leuchtturmwächterin Sonja spurlos. Am Rande des Meeres, vor der kleinen Halbinsel auf der der Leuchtturm steht, am Randes eines ewig Blasen blubbernden Ufers sucht sie vergeblich nach ihrem einzigen Gefährten.

Als er dann doch unerwartet zurückkehrt, ist Victuals offensichtlich nicht mehr das, was er einmal war: Er kann sprechen und behauptet der königliche Leibwächter aus einem Königreich unter Wasser lebender Echsen zu sein. Eigentlich hätte Sonja kaum einen Grund dieser unglaublichen Geschichte zu glauben – sprechende Katze hin oder her. Doch das ihr Vater den Rest seines Lebens mit der wahnhaften Suche nach angeblich intelligenten Echsen verbracht hat, überzeugt sie davon Victuals‘ Geschichte nicht nur zu glauben, sondern ihn auch mit all dem auszustatten, was er benötigt.

Denn Victuals muß sich für einen Kampf rüsten: Den Kampf gegen einen unbekannten Feind, der ihn, den königlichen Leibwächter und potentiellen Thronfolger in einen Katzenkörper gesperrt und ihn gezwungen hat seine Heimat zu verlassen. Von Sonja mit einem Taucheranzug ausgerüstet macht sich Victuals wieder auf den Weg auf den Meeresboden, nur um dort auf einen Feind zu stoßen, der sich inzwischen nicht nur des Königreiches bemächtigt hat.

Sprechende Katzen und unter der Wasseroberfläche lebende Echsen verorten „Remind“ sofort irgendwo zwischen Fantasy und Märchen, denn natürlich gibt es auch den guten König und eine Prinzessin. Allerdings macht es sich Jason Brubaker (nicht zu verwechseln mit Ed Brubaker!) nicht ganz so einfach und fügt seiner Geschichte einige Wendungen hinzu, die an dieser Stelle nicht verraten werden sollen.

Brubakers Figuren präsentieren sich dabei ebenso als ein Mixtur von Stilen: Während die remind_smallMenschen eher realistisch wirken, ist die Katze Victuals eine klare Cartoonfigur und die Echsen irgendetwas dazwischen. Dennoch zerfällt das Comic nicht, was Brubaker mit einem sehr dynamischen Aufbau seiner Bilder und Panels erreicht: Kontrastreiche Panels im Gegenlicht, komplett dunkle, komplett helle Seiten und doppelseitige randlose Panoramen fokussieren das Auge des Betrachters immer auf einzelnen Panels, so dass die stilistischen Unterschiede nur im direkten, bewußten Vergleich auffallen. Sein an zunehmender Rasanz gewinnender Plot hilft Brubaker dabei, dass seine Leser sich sowieso eher mit der Geschichte, als mit den stilistischen Details auseinandersetzen.

Genauso dynamisch geht Brubaker mit dem Layout um, wo er sich nur in ruhigeren Passagen einen klassischen Aufbau der Panels leistet, um stattdessen eher ganzseitige Kompositionen zu bevorzugen. Man erkennt hier dass Brubaker als Brotberuf als Animator bei Dreamworks arbeitet und er entsprechend cineastisch denkt, wobei seine Vorliebe für große epische Perspektiven natürlich der Geschichte des Kampfes eines vermeintlichen Underdogs gegen das Böse zusätzlich betont. Vor allem liegt dies aber daran, dass „Remind“ einst als ein Filmprojekt begann.

Jason Brubakers Traum die Geschichte als Film zu realisieren, schildert er selber im Nachwort des Buches und es ist natürlich nicht verwunderlich, dass dieser kühne Plan sich nicht realisieren ließ. Dennoch brachten die Anstrengungen Brubaker einen Job in der Filmbranche ein, so dass die Geschichte durchaus ein Happy End hatte, wenn Brubaker sich auch gezwungen sah „Remind“ als Webcomic herauszubringen. Dennoch bekam er sicherlich so die Kontakte zu seinen Vorbildern, deren Stil in das Comic eingefloßen ist. Doug TenNapel („Earthworm Jim“), Kazu Kibuishi („Harry Potter“-Covergestalter in den USA) und Sam Kieth („The Maxx“) steuern warme Worte oder sogar Skizzen zu der nun herausgekommenen Buchveröffentlichung bei.

Man kann Jason Brubaker durchaus vorwerfen, dass er sich nicht aus von dem Schatten dieser Veteranen löst oder auch dass seine Geschichte nur wenig originell Neues zu bieten hat. Doch man merkt „Remind“ durchaus an, dass es ein Herzensprojekt ist, das gegen alle Widernisse dank der Xeric Foundation und einer Crowdfunding-Kampagne nur als Buch vorliegt. Und das an sich ist bereits eine unterhaltsame Geschichte.

[Wer einen Blick auf „Remind“ werfen will, das Comic ist immer noch als Webcomic online nachlesbar.]

 

Jason Brubaker
reMIND
Coffee Table Comics
Band 1: ISBN 978-0-9831149-0-1
Band 2: ISBN 978-0-9831149-1-8

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