Graphic Novel – Peter Wartman, Over the Wall

Es gibt eine Mauer. Hinter der Mauer liegt eine Stadt. Sie wurde von Dämonen überrannt. Übriggeblieben sind nur die Ruinen und die Leichen der Toten, deren Geist von den Dämonen gefressen wurden. Die Menschen haben die Stadt verlassen, sie mit ihrer Magie versiegelt, damit die Dämonen nicht nach außen dringen. Doch einmal in Jahr werden die Jungen als Teil ihrer Initiation in die Welt der Erwachsenen in die Stadt geschickt. Diesmal ist einer nicht zurückkehrt.

Die Erinnerung an ihn verblaßt bereits, so wie alles in der Stadt langsam dem Vergessen anheimfällt, außer der Stadt selber mit ihren gewaltigen Mauern. Doch seine Schwester weigert sich dieses Schicksal anzuerkennen. Ihr fällt bereits sein Name nicht mehr ein, doch dass hindert sie nicht daran über die Mauer zu gehen und in die Stadt einzudringen.

Ein Dämon stellt sich ihr als unerwarteter Führer zur Seite. Einer der Namenlosen, die in Angst vor den Namhaften leben, deren gigantische Schatten auf den Ruinen lasten, während sie pausenlos hungrig durch ihr Gefängnis wandern.

over_the_wall_small„Over the Wall“ ist eine fantastische Kurzgeschichte. „Young Adult“ steht außerdem noch auf dem Cover der recht dünnen, aber auf dickem Papier gedruckten Graphic Novel. Dementsprechend lesen sich die knapp 100 Seiten entsprechend schnell für einen Erwachsenen. Denn dieses Buch lebt davon von einem jungen Teenager in die Hand genommen zu werden. Die Geschichte eines mutigen jungen Mädchens, dass sich das traut, was alle andere sich nicht trauen ist genau jene Art von Lektüre, die viele Heranwachsende mehr beeindruckt als abgeklärte Erwachsene.

Die mit schwerem Pinselstrich gezeichneten Bilder mit ihrem cartoonesken Aussehen haben expressive Mimik und Gestik. Autor und Zeichner Peter Wartman beweist, warum diese Kombination so effektiv sein kann, weil er vielfach auf Dialog verzichtet, um stattdessen die Körpersprache sprechen zu lassen. Das soll allerdings nicht heißen, dass „Over the Wall“ sparsam mit Sprache umgehen würde, denn – damit junge Leser auch alles verstehen – die ganze Mythologie dieser Welt wird im Dialog ausgebreitet. Nicht ohne Stil, allerdings auch nicht ohne dass man sich fragen würde, ob das Comic nicht mehr Magie gehabt hätte, wenn mehr unausgesprochen geblieben wäre.

Dennoch, die schwarz-weißen Bilder mit ihren rosa Schattierungen bringen viel Atmosphäre hervor und gerade da wo sich Peter Wartman rein auf die Bilder verläßt. Die erste 20 Seiten von „Over the Wall“ ziehen deswegen den Leser geradezu in ihren Bann, spielen mit den Fantasy-Elementen, die gleichzeitig bekannt, wie fremd erscheinen und muß in seiner Präsentation eines dunklen Waldes nicht einmal den Vergleich mit Charles Burns („Black Hole“) fürchten. Es ist eine Einführung, die nur wenige Autoren und Zeichner so hinbekommen.

„Over the Wall“ ist ein vielversprechendes Debüt, dessen Schwächen das Lesevergnügen nicht schmälern, obwohl man bedauert, dass sie (noch) keine Stärken sind. Man sollte aber einen Blick auf seinen Schöpfer und seine nächsten Werke haben.

 

Peter Wartman
Over the Wall
Uncivilized Books
ISBN 978-0-9846814-3-3

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