Graphic Novel – Emily Carroll, His face all red und andere Kurzgeschichten

Vor kurzem hat das Team vom Wilden Dutzend mit dem „Wunderland Festival“ seine Interpretation der Grimm’schen Märchen einer großen Öffentlichkeit präsentiert. Im Grimm-Jahr ist das Wilde Dutzend natürlich nicht alleine mit der Beschäftigung mit diesen Stoffen und eine Comcizeichnerin, die sich auch diesen Stoffen verschrieben hat, ist Emily Carroll.

Emily Carroll ist keine Berühmtheit. Ihre Werk sind bisher vor allem online erschienen und wenn jemand ihr begegnet ist, dann wahrscheinlich am ehesten durch Computerspiele. Als erstes wäre hierbei natürlich das subtile Horrorspiel und euphorisch aufgenommene „Gone Home“ zu nennen, zu dem Carroll beigetragen hat. Es ist nicht ihr erstes Videospiel, sondern sie hat mit dem mystischen „The Yawhg“ bereits ein vollständig eigenes Spiel vorgelegt gehabt, das sie vollständig alleine illustriert und gestaltet hat.
Wie auch in ihren Spielen hat Carroll allerdings auch in ihren Comics eine Leidenschaft: Den fantastischen Horror in Verbindung mit Märchenmotiven.

So setzt „His face all red“ diesen Tonfall bereits sehr früh: „This man is not my brother.“ emily_carroll
Mit diesem einfach Satz beginnt eine „Kain und Abel“-Geschichte in einem fiktiven 17. oder 18. Jahrhundert auf dem Land. Der eine Bruder ist der Liebling des Dorfes, der andere ein Außenseiter und Feigling. Doch als beide gemeinsam auf die Jagd gehen erträgt der eine nicht den Triumph des anderen. Es folgt ein Mord aus Eifersucht, doch für den feigen Bruder beginnt damit nicht seine Befreiung, sondern ein Horrortrip. Denn der tote Bruder kehrt zurück: Noch beliebter, noch lustiger, noch erfolgreicher als zuvor, obwohl er doch tot auf dem Grunde eines Erdloches liegen sollte…

Emily Carroll setzt die Kurzgeschichte mit gedeckten Farben, dünnen Strichen und einem sich dynamisch anpassenden Layout der Dramatik der Geschichte anpassenden Layout um. Ihre Figuren sind stark stilisiert, doch sie inszeniert vor allem auch die Details, so dass bei aller Stilisierung ein realistischer Ton entsteht, den sie mit teilweise sehr aufwändigen, illustrativen Dekors zu atmosphärischen Tableaus ausbaut. So erscheinen auch die Farben auch nur auf den ersten Blick realistisch, bevor man dann schnell bemerkt, dass sie auch diese dramatisch nutzt und expressionistisch verändert, um dadurch Handlung und Atmosphäre zum Ausdruck zu bringen.

Es ist vor allem dieses Fähigkeit all ihr zur Verfügung stehenden Elemente zu nutzen, die ihre Kurzgeschichten auszeichnen. Im Gegensatz zu der Mehrheit anderer Comickünstler, die ihre Arbeiten online präsentieren, setzt sie das Design der Webseiten entsprechend ein, um auch dieses für ihre Geschichten zu nutzen. Wo manchmal eine vertikale Reihe an Bilder steht, ist andermal ein langer Schlauch und manchmal auch nur ein einziges, kleines Bild, das sich im Schwarz der Seite zu verlieren scheint.

Das ihr Stil manchmal deutlich an anderer Comiczeichner (etwa Kate Beaton) erinnert, schmälert nicht den Sog ihrer Geschichten, den sie durch den überaus cleveren Einsatz ihrer Mittel und die radikale Verknappungen der Narrative noch zusätzlich verstärkt. Nicht nur „His Face all red„, ebenso „The 3 Snake Leaves„, „Margot’s Room“ und „The Prince and the Sea“ sind überaus lesenswerte Comics, die man sich – gerade weil sie online kostenlos verfügbar sind – nicht engehen lassen sollte.

 

Emily Caroll
His Face all red und andere Kurzgeschichten
Auf ihrer Webseite frei verfügbar

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