Graphic Novel – Lupano & Salomone, Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte

Irgendwo in Amerika im 19ten Jahrhundert, dort wo man Meinungsverschiedenheiten mit Feuerwaffen austrägt, wo mexikanische Banditen Eisenbahnen überfallen, wo geheimnisvolle Frauen intrigieren und geheime Reichtümer verborgen sind… Dort ist Byron Peck unterwegs, seines Zeichens englischer Anwalt und Vertreter von Mister Hoggaard, einem dänischen Hühnen, der nicht mehr richtig sprechen kann, seitdem ihm jemand eine Kugel in den Kopf gejagt hat.

Die beiden Herren sind auf der Spur einer mexikanischen Räuberbande, die soeben einen feuerwaffenZug überfallen hat. Darin saß nicht nur die schöne Margot de Garine, sondern auch der unsterblich in sie verliebte Kofferträger Tim. Natürlich verkompliziert sich das alles als die Mexikaner die schöne Margot entführen. Die Wege von Peck, Hoggaard und Tim führen unweigerlich zusammen. In der Zwischenzeit hat Margot mit dem Bandenführer allerdings längst eine Vereinbarung zum gegenseitigen Nutzen getroffen, denn sie ist alles andere als das unschuldige Opfer als das sie sich gibt. Niemand weiß das besser als Byron Peck…

Man sollte sich von dem Titel „Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte“ nicht auf eine falsche Fährte locken lassen: Dieses französische Wild West-Comic erfüllt so ziemlich alle Klischees, die man von dem Genre erwarten darf und dass der distinguierte Byron Peck keine Feuerwaffen mag, hält ihn nicht davon ab seinen Argumenten mit Dynamit die notwendige Durchschlagskraft zu verschaffen.

Doch vor allem sollte man nicht dem Irrtum erliegen, dass der erste Band von „Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte“ eine in sich abgeschlossene Geschichte darstellt: Ja, auf den ersten Blick erfüllt er alle Kriterien des klassischen französischen Abenteuercomics, dass – egal ob es im Wilden Westen, im Weltraum oder in einer Fantasy-Welt spielt – seit „Tintin“ quasi immer den gleichen Regeln folgt. Auf 40 Seiten wird eine Action-geladene Handlung mit einigen Wendungen präsentiert, am Ende der Bösewicht (zumindest für heute) besiegt und die Helden kehren in ihren Alltag nach Brüssel, Champignac oder Schlumpfhausen zurück. Der erste Band „Blaue Bohnensuppe“ stellt aber vielmehr das Intro für eine größere Geschichte dar, die der bereits erschienene zweite Band „Der Weg nach Madison“ weiter vertieft. Wenn man sich also an der scheinbaren Oberflächlichkeit des ersten Bandes stört, so ist dies nicht zuletzt auch deswegen so, weil die Geschichte eigentlich kaum begonnen hat.

Es ist natürlich die Frage, wo Wilfrid Lupano die Serie noch hinführen wird. Lupano ist gleichermaßen für das derb-humoristische „Les Aventures de Sarkosix“ verantwortlich, wie auch für das durchdachte und nicht selten sehr ernsthafte „Alim der Gerber“ und das hier schon besprochene und mit Preisen ausgezeichnete „Le Singe de Hartlepool„. Ihm zur Seite steht der Comic-Debütant Paul Salomone, dessen Vergangenheit als Trickfilmanimator deutlich herauszusehen ist: Seine Figuren sind mit dünnen, klaren Strichen konturiert, karikaturistisch zugespitzt, wie man es gerne im französischen Comic sieht und in detaillierten Hintergründen stilvoll untergebracht. Die Farbgebung von Kolorist Laurenzo Pieri ist gleichermaßen auf hohem, allerdings wenig überraschendem Niveau.

„Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte“ ist im besten Sinne ein französisches Abenteuercomic: Eine spannende Geschichte, die mit einer Routine gestaltet wurde, die dafür sorgt, dass einen nichts von der Unterhaltung ablenkt. Fans des Genres kommen also auf jeden Fall auf ihre Kosten. Jeder potentielle Leser darf sich aber sicherlich darüber freuen, dass Lupano und Salomone einen vielversprechenden Anfang für eine Serie gemacht haben…

 

Wilfrid Lupano, Paul Salomone & Lorenzo Pieri
Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte
Splitter Verlag
Band 1: ISBN 978-3-86869-486-4
Band 2: ISBN 978-3-86869-487-1

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