Graphic Novel – Paul Pope, Battling Boy

Haggard West ist der Held von Arcopolis: Der Jet-Set-Millionär, der entdeckt hat, dass seine Stadt ihn braucht und der sich mit seinen Gadgets in den Kampf gegen die Monster stürzt, die nachts erwachen. Und es sind wirklich Monster: Der perverse Sadisto und sein Trupp von Ghouls sind die Platzhirsche in der unterirdischen Bar, in der sich die Monster treffen, die einen gnadenlosen Krieg gegen Arcopolis führen. Haggard West, Held und einzige Hoffnung der verzweifelten Stadt, wird auf den ersten Seiten von Sadisto getötet.

An einem anderer Ort in der Galaxie wird derzeit ein Junge auf seine Initiation vorbereitet: Als Sohn von Quasigöttern ist es seine Aufgabe an einem Ort als Held zu bestehen und die Wahl seines Vaters fällt auch Arcopolis. Und damit erscheint Battling Boy gerade als die Beisetzung von Haggard West vorüber ist…

Um alle Zweifel auszuräumen: „Battling Boy“ ist der Beginn einer neuen Serie. Der vorliegende erste Band erzählt die Geschichte keinesfalls zuende, sondern etabliert vor allem die Charaktere und die Schauplätze: Der Junge, sein Vater, der Bürgermeister, der Erzschurke Sadisto, die Tochter von Haggard West und vor allem Arcopolis selber…

Independant-Comic-Künstler Paul Pope wagt sich mit diesem Comic in den Bereich der battling_boy_smallSuperhelden vor, den er zwar erfolgreich („Batman: Year 100“), aber insgesamt bisher eher selten bearbeitet hat. Nun tritt er ganz bewußt in die Fußstapfen der großen Meisters des Genres und es ist deutlich zu spüren, dass es vor allem Alan Moores („Watchmen“, „V for Vendetta“) Einfluß ist, der Pope antreibt. Genauer gesagt ist es Moores Neuinterpretation der Superhelden, die er in den ABC-Serien „Tom Strong“, „The League of Extraordinary Gentlemen“ und „Top Ten“ etabliert hat und die heute inzwischen zum Standard von fast jeder Superheldenneuinterpreation geworden sind: Retro-Chic und die Gadgets der klassischen Science Heroes, kaum verhüllte Referenzen an die Meister des Genres (hier vor allem Jack Kirby) und ein lockerer Umgang mit den Versatzstücke aus inzwischen 80 Jahren Superheldencomicgeschichte.

Popes zeichnerisches Können sorgt für sich bereits dafür, dass „Battling Boy“ kaum mit typischer Superheldenware verwechselt werden kann. Sein bekannter, sehr freier, kurvenreicher und dabei zugleich nervöser Tuschestil ist hier geradezu ausgestellt, da er sich auf Konturen beschränkt. Statt – wie in vielen anderen seiner Arbeiten – setzt er nicht auf Schattierungen sondern auf eine bunte Farbgebung, wie man sie eben auch aus alten Comics am besten kennt. Seine Stil der stark variablen Figuren und eines immer wieder changierenden Character Designs bleibt er ebenso treu, so dass Paul Pope-Fans sich auf jeden Fall in „Battling Boy“ sofort zurechtfinden werden.

Paul Pope ist ein Star des amerikanischen Comics und dementsprechend viel Hype hat „Battling Boy“ erlebt. Doch man tut Pope wahrscheinlich Unrecht, wenn man versucht den ersten Band als Grundlage für eine Bewertung heranzuziehen. Zu offensichtlich ist, dass dieser erste Band nur die Bühne für den eigentlichen Konflikt vorbereitet. Fans von Retro-Superhelden und Paul Pope dürfen aber sicherlich ohne Bedenken zugreifen.

[Bisher liegt nur die englische Originalausgabe vor.]

 

Paul Pope
Battling Boy
First Second
ISBN 978-1-59643-145-4

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