Graphic Novel – Olivia Vieweg, Antoinette kehrt zurück

Antoinette ist eine überaus erfolgreiche junge Frau: Als Mitarbeiterin einer Werbeagentur in Los Angeles hat sie nicht nur ein hohes Gehalt und lebt im glamourösen Kalifornien, sondern ist auch mit einem umschwärmten Schauspieler liiert. Das war nicht immer so. Ihre Vergangenheit in einem Deutschen Provinzkaff lastet schwer auf ihr. Sie war die Außenseiterin, alleine schon durch ihre guten Noten und ihre psychisch kranke Mutter. Dadurch wurde sie zum Opfer ihrer Mitschüler.

Die kleinen Gemeinheiten gegenüber Antoinette steigerten sich schließlich zu brutalen antoinette_kehrt_zurueckMißhandlungen. In dem kleinen Ort und dessen einziger Schule gab es für Antoinette kein Entkommen. Aufgeschreckt von einer Vision in einer Webcam, die auf den Ort gerichtet ist, reist sie von Kalifornien aus noch einmal dorthin und wird so mit ihren ehemaligen Klassenkameraden und damit den Tätern konfrontiert. Im Gegensatz zu ihr haben diese sich in einem durchschnittlichen, unauffälligen Leben eingerichtet. Doch Antoinettes Verletzung geht tiefer, als dass sie aus diesen Details oberflächliche Befriedigung ziehen würde.

Olivia Viewegs Graphic Novel verläuft nicht, wie man dies erwartet, aber das soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Überhaupt wirkt die Graphic Novel nicht so, wie man dies bei dem manchmal doch sehr düsteren Thema Mobbing erwarten würde. Die Bleistift-Zeichnungen sind rundlich und leicht, Schraffuren deuten Details an, die auf wenige rötliche und gelbliche Farben reduzierte digital Kolorierung geben dem Buch eine Atmosphäre irgendwo zwischen Sommer und nostalgischem Sepia. Nur immer wieder auftauchende graue Flächen und sporadisches Schwarz zeigen auf, dass wie wenig freundlich die Ereignisse der Handlung sind.

Es ist sicherlich schwierig eine Autorin und Zeichnerin als Nachwuchs zu bezeichnen, wenn sie inzwischen auf drei Veröffentlichungen zurückblickt. „Endzeit“ und ihre Mark Twain-Variation „Huck Finn“ liegen bereits seit einiger Zeit vor und mit „Antoinette kehrt zurück“ hat sie den Wettbewerb für die Publikation in der noch relativ neuen Graphic Novel-Edition des Egmont-Verlags gewonnen.

Vieweg ist wahrscheinlich irgendwo in dem schwierigen Gebiet zwischen Newcomer und etablierten Routinier angekommen, was ihrem Werk allerdings immer noch den Bonus eines gewissen Überraschungseffektes gibt. „Antoinette kehrt zurück“ profitiert davon, weil seine Hauptfigur bis zum Schluß eine schwer faßbare, vielschichtige Figur bleibt, deren literarische Ursprung Vieweg am Ende der Geschichte zitiert. Damit setzt sie sich der Gefahr eines Vergleichs mit einem modernen Klassiker aus, legt zugleich aber auch ihre erfolgreiche Strategie offen dem Leser dar: Literarische Klassiker in Graphic Novel-Form zu modernisieren und sie einem neuen Publikum zuzuführen.

 

Olivia Vieweg
Antoinette kehrt zurück
Egmont Graphic Novel
ISBN 978-3-7704-5500-3

Kategorien Blog | tagged , , , | Bookmark permalink

Kommentare sind geschlossen.

  • Glossar
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Facebook
  • Kontakt
    Das wilde Dutzend Verlag
    Hagenauerstr. 2
    D-10435 Berlin
    fon: 030 28 88 31 99
  • Google+
  • Newsletter
    Monatliche News aus Berlin
    * indicates required
  • Adeles Salon
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Tagcloud