Graphic Novel – Busiek & Anderson & Ross, Astro City – Through Open Doors

Es gibt nur wenige Comicserien, die das große Sterben der unabhängigen Verlage am Ende der 90er überlebt haben. Eine dieser Ausnahmeerscheinungen ist „Astro City“, das inzwischen auf eine fast 20jährige Geschichte zurückblicken kann. Die Serie aus der Feder von Autor Kurt Busiek, Zeichner Brent Anderson und dem legendären Cover-Artist Alex Ross hat unzählige Preise eingesammelt, mehrfach den Verlag gewechselt und mit ihrer unvorhersehbaren Veröffentlichung die Fans in die Verzweiflung getrieben. Nun liegt der ein neuer (englischer) Band vor: „Through Open Doors“.

Trotz aller Superhelden und der großen Verlage, die sich der Serie angenommen haben astro_city(inzwischen ist dies das „Vertigo“-Label des Comic-Majors DC) funktioniert sie nie nach klassischen Regeln: Vielfach waren die einzelnen Hefte mehr Kurzgeschichten, lange Handlungsbögen schlichen sich erst später ein und seitdem schwelgt „Astro City“ in seiner eigenen Superhelden-Mythologie. Dass „Through Open Doors“ dabei eigentlich die Hefte 1-6 einer von Vertigo neu aufgelegten Reihe repräsentieren, gilt deswegen eigentlich kaum etwas. Obwohl auch „Trough Open Doors“ eher Kurzgeschichten beinhaltet, so macht die ständige Referenz an die eigene Geschichte es neuen Lesern schwer.

Vor allem die zwei Geschichten, die im Kern der in „Through Open Doors“ gesammelten 6 Einzelausgaben stehen und von einem möglicherweise verrückten Superhelden namens „Broken Man“ handeln, sind selbst für „Astro City“-Veteranen sicherlich nicht ganz einfach zu entschlüsseln. Doch ansonsten betreibt die Serie wofür sie bekannt geworden ist: Sie handelt weniger von den Superhelden, als vielmehr von den Menschen um sie herum, die sich mit deren Taten und den Folgen derselben auseinandersetzen müssen.

Dazu gehört diesmal ein Schieber und Hehler, der in den Besitz einer außerirdischen Chemikalie gelangt, die Superhelden erschaffen kann; eine Frau, die ihre Superkräfte lieber für Hollywood-B-Movies verwendet, als die Welt zu retten; und eine junge Callcenter-Mitarbeiterin, die sich selber an der Schnittstelle eines katastrophalen Kampfes in einem Dritt-Welt-Land wiederfindet.

Wie von „Astro City“ gewohnt erzählt Autor Kurt Busiek diese Geschichten mit dem Ton eines leicht patriarchalen, aber unterhaltsamen Superhelden-Märchenonkels, der es sich vor dem selbstgebauten Kamin gemütlich gemacht hat; Brent Anderson bringt mit seinem detaillierten, am Realismus orientierten Stil genau jenes Maß an Glaubwürdigkeit mit, die „Astro City“ benötigt, um nicht im Korsett der Klischees zu ersticken; und die Designs und Cover von Alex Ross beschwören zugleich die Epik und den Pathos, der die Quintessenz des amerikanischen Superhelden-Comics repräsentiert.

So gesehen ist „Through Open Doors“ ein typischer „Astro City“-Band, der die meisten Fans der Serie nicht überraschen, aber sicherlich zufriedenstellen wird. Neue Leser sollten dennoch erst einmal zu dem ursprünglichen ersten Band der „Astro City“-Reihe, „Life in the Big City“, greifen, der die meisten notwendigen Informationen mitbringt um auch den neusten Band zu verstehen. Das allerdings ist immer ein lohnende Beschäftigung.

 

Kurt Busiek, Brent Anderson & Alex Ross
Astro City – Through Open Doors
DC/Vertigo
ISBN 978-1-4012-4752-2

Kategorien Blog | tagged , , , , , | Bookmark permalink

Kommentare sind geschlossen.

  • Glossar
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Facebook
  • Kontakt
    Das wilde Dutzend Verlag
    Hagenauerstr. 2
    D-10435 Berlin
    fon: 030 28 88 31 99
  • Google+
  • Newsletter
    Monatliche News aus Berlin
    * indicates required
  • Adeles Salon
    Das wilde Dutzend Verlag
  • Tagcloud