Graphic Novel – Álvaro Ortiz, Unterwegs mit Hector

Polly ist eine ehemalige Musikerin, die als Barrista in England lebt und arbeitet. Piter ist ein Krankenpfleger, der nach dem Tod der Frau um die er sich jahrelang gekümmert hat, orientierungslos ist. Moho ist ein Musikjournalist oder tut zumindest so als ob. Die Drei machen sich gemeinsam auf, um ihren Freund Hector zu begraben, der ihnen nichts außer einer rätselhaften Karte mit einem „X“ hinterlassen hat. Alle Anfang 30, sind sie gleichermaßen orientierungslos und so gestaltet sich auch ihre Reise.

Doch vor allem ist es Moho, der die Drei ständig von einem Desaster zum nächsten treibt. Denn natürlich ist sein Dasein als „Musikjournalist“ letztendlich nur Fassade, dafür spricht alleine schon der Affe Andrés, den er bei sich hat; sowie die beiden langbärtigen Schläger Smirnov und Smirnov, die ihm und damit auch den anderen Beiden auf den Fersen sind.

Was sich zwischen diesen Charakteren entspannt ist ein absurdes Road-Movie in unterwegs_mit_hectorComicform. Der Versuch Hector zu beerdigen wird von einer Katastrophe nach der anderen immer wieder in Frage gestellt und die Freundschaft der Drei damit auf harte Proben gestellt. Dazwischen schweift Autor und Zeichner Álvaro Ortiz zudem auch immer wieder gerne ab: Die Lebensgeschichte des Affen Andrés wird ebenso beleuchtet, wie eine nicht ganz realistische Geschichte der Einäscherung, sowie die parallel stattfindende Reise der mysteriösen Melina.

Inhaltlich läßt Ortiz kaum etwas aus: Etwas „Easy Rider“, ein bißchen „Blues Brothers“ und „Little Miss Sunshine“ und dank absurder Musikreferenz auch ein Stück „Leningrad Cowboys Go America“ kommen in „Unterwegs mit Hector“ zusammen, das sich in einem undefinierbaren Land abspielt, dass gleichermaßen Spanien, Deutschland oder die USA sein könnte. Dabei ist es aber gerade diese Beliebigkeit, die diese Graphic Novel so schwer zu fassen macht.

Auch Ortiz‘ Zeichnungen geben dabei wenig zum Festhalten. Sein reduzierter, cartoonesker und in stimmungsvollen Pasteltönen kolorierten Stil macht den Band angenehm lesbar, bleibt aber zugleich wenig im Gedächtnis hängen. Dabei ist das rahmenlose Layout durchaus angenehm und der Verlag hat eine sehr stimmige Paperback-Ausgabe mit dickem Papier zusammengestellt, die der grafischen Gestaltung sehr zugute kommt.

Von der gemeinsamen Fahrt zur Beerdigung eines Freundes, bis hin zu denen Komplikationen auf dem Weg dorthin und dem Gegensatz der ehemaligen Freunde, die Jahre später feststellen müssen, dass sie sich auseinander entwickelt haben – Alle Bestandteile dieser Graphic Novel kann man bereits woanders finden. Desewegen fällt es schwer Álvaro Ortiz‘ „Unterwegs mit Hector“ zu loben, auch wenn es gleichermaßen wenig daran zu kritisieren gibt.

 

Álvaro Ortiz
Unterwegs mit Hector
Egmont Graphic Novel
ISBN 978-3-7704-5508-9

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