Graphic Novel – Suehiro Maruo, The Strange Tale of Panorama Island

Hitomi Hirosuke ist ein erfolgloser Autor. Sein neuster Roman wurde gerade von seinem Verleger abgelehnt, weil das Publikum das Interesse an Hirosukes utopischen Fantasien verloren hat. Seine eigene Begeisterung für die in seinem Werk geschilderten und von ihm minutiös konzipierten ekstatischen und extravaganten Fantasien scheint niemand zu teilen. Er gerät in eine Schaffenskrise.

Sechs Monate später kann Hirosuke immer noch nicht von seiner Utopie lassen. Als ihn dann aber die Nachricht vom Tod seines besten Freundes erreicht, ändert sich sein Schicksal schlagartig. Während des Studiums waren sie nicht nur unzertrennlich, sondern wurden wegen ihrer äußerlichen Ähnlichkeit auch häufig miteinander verwechselt. Da sein bester Freund ein reicher Erbe war, reift in Hirosuke ein fantastischer Plan: Was wäre wenn er die Rolle des Verstorbenen annehmen würde, um damit endlich seine Utopie zu verwirklichen?

Besessen von der Möglichkeit mit dem Reichtum seines verstorbenen Freundes die eigene Visionen umzusetzen, scheut Hirosuke vor nichts zurück, um sein Plan umzusetzen. Weder davor als angeblich Verstorbener ins Leben zurückzukehren, noch sich an die Frau seines toten Freundes heranzumachen. Hirosuke hat nur ein Ziel: „Panorama Island“.

Suehiro Maruos „The strange Tale of Panorama Island“ ist ein Manga für Erwachsene. Basierend auf dem Roman „Panorama-tō Kidan“ des Krimiautor Edogawa Rampo (1894 – 1965) entwirft er das Porträt eines Besessenen. Da Rampo ein großer Bewunderer Edgar Allen Poes war und Maruo dies aufgreift, ist es nicht verwunderlich, dass die Hauptfigur genauso wirkt, als ob sie einem Werk von Poe entsprungen sei.

Doch Suehiro Maruo geht einen Schritt weiter als die literarische Vorlage: Der Roman ist panorama_island1926 entstanden und deshalb greift der Autor und Zeichner auf die Kunst und die Ideen der 1920er-Jahre zurück, vor allem die des Expressionismus, des Symbolismus und des Surrealismus. Ganz offen zitiert er an einigen Stellen Künstler wie Böcklin, de Chirico oder Dalí (neben vielen anderen). Maruo versuchtt dabei zugleich die Fantastik der Szenerie von „Panorama Island“ einzufangen, wie auch deren Realismus zu begründen.

Dieser Realismus führt Maruo allerdings umgekehrt auch in eine Form von Anti-Fantastik, dorthin wo es keine idealisierte Überzeichnung sondern stattdessen nur noch menschliche Abgründe gibt. Gerade für diese Nähe zum Horror ist Maruo bekannt, dessen Arbeiten in dem legendären Underground-Manga-Magazin Garo erschienen sind, dass für seine grenzgängerischen visuellen Geschichten bekannt war. Im Gegensatz zu vielen seiner Garo-Kollegen bleibt bei Maruo allerdings die Geschichte an sich erhalten.

„The Strange Tale of Panorama Island“ ist – nicht zuletzt auch durch Maruos feinen Tuschestrich und den dezenten Einsatz von Effekten – immer lesbar. So wie es sicherlich auch Rampo intendiert hat, kann man dieses Werk auch als einen ziemlich schrägen Krimi lesen, der allerdings seine Form vor allem in der grafischen Präsentation sprengt.

Letztendlich ist dieses Manga sicherlich nicht Jedermanns Sache: Die Amoral der Geschichte, die teils unangenehmen, teils überbordenden Panels und die Beschäftigung mit einer Hauptfigur, deren Größenwahn sie vor nichts zurückschrecken läßt, macht „The Strange Tale of Panorama Island“ zu einer Reise in eine fremde Welt. Doch das dies dem Manga so gelingt, ist gerade was sie auszeichnet.

[„The Strange Tale of Panorama Island“ ist bisher nur auf Englisch erschienen.]

 

Suehiro Maruo (nach Edogawa Rampo)
The Strange Tale of Panorama Island
Last Gasp
ISBN 978-0-86719-777-8

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