Graphic Novel – Mimi Pond, Over Easy

1978, die Zeit der Hippies ist endgültig vorbei. Punk ist der neue, heiße Scheiß. Die langen Haare werden abgeschnitten, die Batik-Shirts verbrannt und statt Haschisch ist Kokain angesagt. Margaret ist eine Kunststudentin ohne Geld in Oakland, Kalifornien, der Stadt auf der anderen, nicht ganz so coolen Seite der Golden Gate Bridge. Ihre Tage verbringt sie im Imperial Café, einem Ort an dem sich dank günstiger Preise, ordentlicher Qualität und einer liberalen Moral die Außenseiter der Stadt treffen.

Als Margaret den Manager Lazlo kennenlernt, einen alternden Ex-Intellektuellen, dessenover_easy Abschluß ihm nur eine Karriere in der Gastronomie offen gelassen hat, beschließt sie die Chance wahrzunehmen und sich um einen Job im Imperial Café zu bewerben. Zuerst darf sie nur Teller waschen, während sie neidisch den Kellnerinnen zusieht, die an der vordersten Front des Cafés nicht zuletzt auch den direkten Zugriff auf die gutaussehenden, Singlemänner haben, die sich am Tresen sammeln. Doch obwohl es Margaret gelingt den begehrten Kellnerinnenjob zu angeln, wird es aus ihrem Liebesglück nichts. Stattdessen wird sie Zeugin und Beobachterin der großen und kleinen Dramen, die sich vor und hinter dem Tresen abspielen.

Mimi Ponds „Over easy“ (umschreibt ein auf beiden Seiten gebratenes Spiegelei) ist eine autobiografische Graphic Novel in denen die Autorin und Zeichnerin ihre Erlebnisse im Oakland der 70er-Jahre gesammelt hat. Es handelt sich im besten Sinne um ein „Slice of Life“. Obwohl der Klappentext die Graphic Nobel als „fast-paced“ anpreist, ist sie genau das nicht: Die Anekdoten um Liebesgeschichten von Lesben, die es mit dem Küchenjungen treiben; die Vor- und Nachteil des Kokainkonsums beim Kellnern und die merkwürdigen Gestalten, die sich im Imperial Café sammeln, machen den Kern des Buches aus.

Mimi Pond, die in ihrer Karriere Karikaturen und Cartoons für viele amerikanische Magazine und als Autorin der allerersten Folge der uramerikanischen, unverwüstlichen „Simpsons“ in Erscheinung getreten ist, hat mit „Over easy“ ein nostalgisch angehauchtes Buch vorgelegt. Ihre in Grüntönen mit Wasserfarben kolorierten Zeichnungen sind flüssig, unstet und uneinheitlich, entfalten Charme, fangen aber vor allem die teils schrägen Charaktere des Buches gelungen ein. Zusammen mit dem unauffälligen Layout fällt daran auf, dass Mimi Pond keine geübte Comic-Zeichnerin ist, was der Geschichte oder besser, den Geschichten aber nichts nimmt.

„Over Easy“ ist eine charmante, aber zugleich spröde Graphic Novel: Sie ist gleichermaßen unauffällig, wie unaufdringlich. Der Leser muß sich auf die 70er-Jahre und Ponds langsame Erzählweise einlassen, bekommt dann aber als Belohnung ein Kaleidoskop und eine lebensechten Eindruck dieser Zeit, bei dem man bei jeder Seite den Geschmack von günstigem Kaffee und heißem Frühstücks-Bacon-Fett schmeckt.

[„Over Easy“ liegt bisher nur in der Englischen Originalausgabe vor.]

 

Mimi Pond
Over Easy
Drawn & Quarterly
ISBN: 978-1-77046-153-6

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